Frankenberger Viertel. Wir treffen Samuel Dickmeis, aka MÄNNI, No.-1-Produzent (u. a. Antilopen Gang) aus Aachen, anlässlich seines Album-Releases zum Interview über das Leben als Rockmusiker und Familienvater.

Dein Genre umgibt ein gewisses Klischee. Wie schafft man es, den Touralltag mit der Familie zu vereinen? Du bist dreifacher Vater?
Samuel: Vierfacher mittlerweile. Worauf ich auf jeden Fall gerne eingehen würde, ist dieses Ambivalente: Ich bin einerseits Familienvater, mich um die Kids kümmernd und darauf bedacht, dass man über die Runden kommt, andererseits ist da der Musikeralltag, Tour, Proben etc. Dieses klassische Klischee à la „Sex, Drugs & Rock ʼnʼ Roll“ habe ich selber nie erlebt, und auch viele größere Bands, die ich kenne, erzählen mir da nichts von.
Ich kann mir nicht vorstellen, nur eins von beidem zu sein. Diese zwei krassen, extremen Welten sind genau das, was ich gerade richtig spannend finde.

Wie hat alles angefangen?
Ich habe mit neun oder zehn Jahren angefangen, Schlagzeug zu spielen, Unterricht genommen und mich von da an durch die Schule gequält. In der Schule gab es einen Proberaum, wo ich öfter war als überall sonst im Gebäude. Es hat mich damals schon geärgert, dass ich generell als faul bezeichnet wurde, und ich habe mich immer schon gefragt, wo ich hingehöre. In der Schule sagt einem ja keiner, dass es auch noch hunderte alternative Wege gibt, das muss man selber rauskriegen. Ich habe meine ganze Energie immer in die Musik gesteckt, und das nicht mit irgendeinem Plan, sondern im Vordergrund standen „Bock“ haben zu spielen, zu üben, mit verschiedenen Bands zu proben und aufzutreten. Der Grundgedanke war, glaube ich, einfach eher der Wunsch nach Anerkennung oder einfach der, einen Platz zu finden. Den habe ich in den anderen Strukturen, die es gibt – Schule, Ausbildung, Studium –, halt nie gehabt.

Wie kam es dazu, dass du immer solo unterwegs bist bzw. auch alles im Studio selber machst?
Ich hatte viele Bands, aber ich hatte immer das Gefühl, dass das Musikmachen mir mehr bedeutet, als es bei den anderen Mitgliedern der Fall war. Das hat zu Reibungen geführt, und es sind auch Freundschaften dadurch draufgegangen. Dadurch, dass ich in verschiedenen Bands auch immer verschiedene Instrumente gespielt habe, war irgendwann der Punkt erreicht, wo ich dachte, vielleicht kann ich einfach mal alles alleine einspielen, und das hat sogar gut geklappt. Bei dem Antilopen-Gang-Album, wo ich mitgemacht habe, war es genauso. Die haben mich unter anderem deswegen auch gefragt.

Dein Tipp an den Nachwuchs?
Man muss ein bisschen dreist sein und einfach überall anklopfen, anfragen, wo was geht, wissen, wie man sich darauf vorbereiten muss. Das heißt, E-Mails schreiben, telefonieren, überlegen, worauf habe ich Lust, was würde ich als Nächstes gerne machen. Auf dem Weg dahin ergeben sich dann die ganzen anderen Sachen. Wenn man hört, was man eigentlich alles tun muss, schalten viele der angehenden Musiker einfach ab. Aber zu dieser Arbeit, die nichts mit dem Musikmachen zu tun hat, muss man halt auch bereit sein.

Zum Schluss – ein paar Worte zu Aachen?
Ohne den Musikbunker wäre ich wahrscheinlich nicht in Aachen geblieben. Diese Stimmung – oben probt man, davor steht ein Tourbus, unten ist eine Band, von der man Fan ist. Wenn ich in meinen Proberaum im Musikbunker gehe, bin ich in einem anderen Modus. Dort kann ich laut sein, wie ich will, alles ausprobieren. Da ist kein Internet, das ist irgendwie auch ganz cool, auch wenn es manchmal nervt.

Männi

Einen Namen als Live- und Studiomusiker hat er sich mit diversen Bands und auf über 1.000 Konzerten im In- und Ausland (u. a. auch Brasilien, Russland) gemacht.
MÄNNIS Liaison mit der Antilopen Gang und der Crème de la Crème an Punkstimmen (Campino, Bela B, Cecilia Boström etc.) führte Anfang dieses Jahres Platz 1 der Albumcharts an (Antilopen Gang: „Anarchie und Alltag“ + Bonusalbum „Atombombe auf Deutschland“). Am 10.03.2017 kommt sein Debütalbum „Alkohol & Melancholie“ via Quasilectric/HʼART.

DVD-Tipp

„The Other F-Word“ – Windeln statt Widerstand: Was passiert, wenn Punkrocker zu Familienvätern werden? Der witzige Dokumentarfilm von Andrea Blaugrund Nevins gibt intime Einblicke in das Privatleben bekannter Musiker und begleitet diese zwischen Tourbus und Familienleben.

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