Berührende Monooper in kleiner Besetzung in der Kammer

Das Erstaunliche an Anne Franks Tagebüchern ist, dass sie trotz aller Schrecknisse unglaublich leichtfüßig, humorig und einfühlsam geschrieben sind.
Ähnlich verhält es sich auch mit den Kakophonien zeitgenössischer Musik. Die vermeintliche Zumutung, aus den Wohlfühlzonen vertrauter Harmoniewelten vertrieben zu werden, wird durch einen beträchtlichen Zugewinn an Freiheit, Abenteuer und musikalischen Erlebnisräumen mehr als ausgeglichen – oder wie es Arnold Schönberg sagte: „Ich fühle Luft von anderen Planeten.“
Das dialogische Spiel des kleinen Ensembles mit dem leidenschaftlichen Sopran Panagiota Sofroniadous als Anne entwickelt eine Beweglichkeit und jugendliche Anmut, die – trotz aller Anfechtungen – Anne Franks ungebrochener Menschlichkeit musikalischen Ausdruck verleihen.
Am Ende ergeht es einem wie nach dem Lesen der Tagebücher selbst: Man ist rettungslos verliebt in diesen empfindsamen, klugen und witzigen Teenager und empfindet, so makaber das klingen mag, fast Mitleid mit der himmelschreienden Dummheit ihrer gefühllosen Peiniger, die mit der preziösen Schönheit einer Anne Frank, nichts besseres anzufangen wissen, als sie auszu-löschen.
Das Tagebuch der Anne Frank | Monooper in zwei Akten von Grigori Frid
Theater Aachen – Kammer | Musikalische Leitung: Karl Shymanovitz, Inszenierung: Lilly Lee | Termine im April: 08.04., 30.04, jeweils 18:00 Uhr

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