Erst sind die Lücken winzig klein, im Kopf, mit dem Auge kaum wahrnehmbar, bis sie sich schwarze Löcher gleich ausdehnen und alles Leben um einen herum verschlingen.

Wir blicken mit Entsetzen und Mitleid auf dieses langsame, aber stetige Abgleiten ins Dunkle, aus dem es kein Entkommen gibt, auf diese Krankheit, die nach Alois Alzheimer benannt wurde. „Der Vater“ ist das Durcheinander im löchrigen Gehirn des Kranken, in das uns Autor Florian Zeller ohne Vorwarnung hineinwirft. „Der Vater“ ist eine Verzerrung im Zeit-Raum-Kontinuum, ein Psychothriller, ein Albtraum, ein vorsichtiges Tasten in den dunklen Windungen des Verstandes eines verlorenen Menschen.
Beängstigend und sehr beeindruckend, was 95 Minuten lang auf die Gehirnzellen des Zuschauers eindrischt. Das ist in erster Linie Klaus Lehmanns (André, der Vater) Spiel zu verdanken. In einem Moment der leicht vergessliche Schlawiner, der alternde Frauenheld, im anderen der gebrochene, verzweifelte Greis. Mit gespenstischer Leichtigkeit manövriert er durch das trübe Wechselbad der Gefühle und Geisteszustände, ohne seinem Charakter auch nur einen einzigen Moment untreu zu werden.
Regisseur Rüdiger Pape schuf mit seinem hervorragenden Ensemble eine beklemmende und überaus realistische Odyssee, bei der einem sogar in der Behaglichkeit der Zuschauersitze leicht schwindelig wird.
Der Vater | Schauspiel von Florian Zeller
Grenzlandtheater | Inszenierung: Rüdiger Pape, Bühne: Flavia Schwedler, Kostüme: Manfred Schneider. Termine im April: 01.04.-18.04., jeweils 20:OO Uhr

zurück I Am Not Your Negro
weiter Miniaturen II