USA 2017 | Regie: Mark Pellington, Darsteller: Shirley MacLaine, Amanda Seyfried, Philip Baker Hall, 108 Min. Voraussichtlich ab 13.04., Cineplex
Oh, Shirley. Nicht wenige haben sich in dich verliebt. Billy Wilder etwa, der dich immer wieder besetzte, als „Mädchen Irma la Douce“ oder in dem Meisterwerk „Das Appartement“ an der Seite von Jack Lemmon, der dir deinen Oscar einbrachte – im Komödienfach eine Rarität. Alfred Hitchcock entdeckte dein komödiantisches Talent in einer seiner wenigen Komödien, „Immer Ärger mit Harry“, Hal Ashby, dass du auch mehr kannst, in dem leisen Juwel „Willkommen Mr. Chance“. Mit Filmen wie „Zeit der Zärtlichkeit“ und „Magnolien aus Stahl“ überdauertest du die Achtziger und wurdest mit deinem Publikum älter – ein Schicksal, das nicht vielen Schauspielerinnen vergönnt ist.
Nun inszenierte Mark Pellington („Arlington Road“) einen Film, maßgeschneidert für die Grande Dame der großen Komödie. Shirley ist Harriet. Ein Kontrollfreak. Eine biestige Alte, die einst eine biestige junge Unternehmerin war. Ihre Tochter hat sich von ihr entfremdet, ihr Mann hat sie verlassen, ihre Firma, die sie einstmals selbst gegründet hatte, setzte sie vor die Tür. Harriet hat keinen Bock mehr und würde ihrem Leben am liebsten ein Ende setzen. Doch da fällt ihr Blick ins lokale Tagesblatt. Genauer: auf die Seite mit den Nachrufen. Die Druckerschwärze auf dem weißen Papier malt das Leben der Verstorbenen in den buntesten Farben. Die will Harriet auch für sich beanspruchen. Also sucht sie die Autorin auf, lässt ihren Einfluss spielen und beauftragt sie damit, ihren Nachruf zu schreiben. Anne (Amanda Seyfried) würde eigentlich lieber Essays schreiben, hat sich und ihr Leben aber irgendwie in eine Sackgasse manövriert. In die Ecke gedrängt von der herrischen Alten nimmt sie den Auftrag an. Der stellt sich jedoch schwerer dar als geglaubt, denn bei ihrer Recherche stellt die junge Autorin fest, dass wirklich niemand ein gutes Wort für Harriet übrig hat. Doch irgendwie rauft sich das seltsame Paar zusammen, um dafür zu sorgen, dass Harriet Spuren für die Nachwelt hinterlässt.
Es ist eine Freude, der 83-jährigen Shirley MacLaine dabei zuzusehen, wie sie mit wenigen Gesten, ihrer Mimik, ihrer Aura mehr über ihre Figur erzählt, als es ausufernde Dialoge vermögen. Die fünfzig Jahre jüngere Amanda Seyfried („Les Misérables“) spielt mutig dagegen an. Gemeinsam ergeben sie ein ungewöhnliches Gespann in einer entspannt erzählten Tragikomödie, die auf Brachialhumor verzichtet und ihre Stärken in den leisen Tönen sucht.

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