LuForm


Design Department

Die Designmetropole Aachen, noch immer vom Nachglanz ihres grandiosen Hotel-Total-Projekts beschienen, eröffnet in Zusammenarbeit mit der FH und dem Ludwig Forum eine vorläufig auf ein Jahr angelegte Designabteilung in der zweiten Etage des Forums.
Seit William Morris gehört zu den unverrückbare Konstanten der Designgeschichte das Edikt: „Designer, willst du dich austoben, dann tu das mit Lampen!“ Solche Leuchten oder besser: Lichtobjekte strahlen erstens schön und behindern zweitens die gestalterische Phantasie durch keinerlei formale Vorgaben. Nun sind die „Lichtwesen“ von Jürgen Reichert viel zu ausgereift, um deren Gestaltwerdung als „austoben“ zu bezeichnen. Aber verspielt sind sie schon und auch sehr schön, wie sie so an biologische Kleinstlebewesen oder Unterwasserwelten erinnern. Eindeutig im Spielerischen schwelgen die mäandernden Formen der an gefundenen Ästen befestigten Leuchtkörper „Snappy Tree Frind #6“ von Marco Iannicelli und Jessica Balas Hommage an Großmutters Stehlampe, „Lamps in Love“.
Eine urige, absolut überzeugend auf das Wesentliche reduzierte Idee einer Sitzbank gelingt Thomas Schnur mit seiner „Holzbank“ von 2010, die in ihrer ungeschlachten Klobigkeit exklusiv für Holzfällerriesen aus Nordnorwegen geholzhackt worden zu sein scheint.
Ein fröhliches Wiedersehen gibt es mit der Edition „Psychomöbel“ von Patricia Graf und Fabian Seibert. Deren „Depressive Lampe“, das „Magersüchtige Bett“ oder der „Hyperaktive Stuhl“ haben nach einem Ausflug zur Mailänder Möbelmesse 2013 nun ihren hoffentlich dauerhaften Therapieplatz im Ludwig Forum gefunden.
Um ganz sachte auch mal ein bisschen solidarische Kritik zu äußern, sei bemerkt, dass in der PR und Selbstdarstellung der Ausstellung ein bisschen viel Aufhebens um das Wort „experimentell“ gemacht wird. Zitate aus der LuForm-Selbstdarstellung im Netz gibt es reichlich:
„neue experimentelle Ausstellungsserie“, „Einblick in die junge, experimentierfreudige Gestalterszene“ usw. Nun ist „experimentieren“ nicht unbedingt das treffende Wort, wenn man Skurriles oder Witziges produziert. Laut Duden steht „Experiment“ für das Bedeutungsfeld „Versuch, Wagnis; gewagtes, unsicheres Unternehmen“, also wenn man etwas ausprobiert, dessen Ergebnis man noch nicht kennt. Das passiert in dieser ersten Ausstellung von LuForm so gut wie gar nicht.
Das bebilderte Nachschlagewerk über Grünflächenpatenschaften „Grünstädtisch“ von Valerie Lea Antonia Kemper ist einfallsreich und solide gestaltet, aber insofern nicht experimentell, als es die visuelle Erwartungshaltung, die man heutzutage an gutes Buchdesign richtet, nicht befragt oder gar durchbricht, sondern haargenau erfüllt; inklusive des verzeihlichen, bei vielen Diplomdesign-Buchprojekten immer wieder auftretenden Problems, dass die Formgebung den Fließtext mangels Masse auf riesige 72-Punkt-Größe aufpumpt.
Auch die von Petra Kather in Kooperation mit ihrer Tochter liebevoll genähten Kinderklamotten „Berg & Kather Kids“ sind zweifellos gut gemacht und niedlich, aber eines ganz bestimmt nicht: experimentell.
Aber kein Grund zur Sorge: Die Mädels und Jungs von der Designmetropole sind taff und und wie Peter Paul Rubens immer sagte: „Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung.“
Ludwig Forum, bis auf Weiteres

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