Atelierhaus Aachen an neuem Standort

Stefan Tiersch „Gegensätzlicher Bonze“

Der neue, lichtdurchflutete Showroom von „aha“ (Atelierhaus Aachen) wirkt, mit reichlich Fensterflächen und Parkett ausgestattet, gut durchlüftet und vorzeigbar. Auch die Künstler haben die Mieterhöhungen nach dem Umzug in ihr neues Domizil offensichtlich erfolgreich weggesteckt und zeigen durch die Bank Sehenswertes.
Einen witzigen Kommentar zur aus der Aachener Kunstwelt nicht wegzudenkenden „Supermarket Lady“ liefert Monika Radhoff-Troll mit ihrer Skulptur „Wirtschaftswunder“. Sie drapiert einen Einkaufswagen mit weißen Müllbeuteln, die aber nicht trashig, Arte-povera-mäßig wirken, sondern schnittig, appetitlich und modern. (Methodologische Randbemerkung zur Theorie der Kunstbetrachtung: Dass die Künstlerin einen Kommentar zur Supermarket Lady abgibt, liegt ausschließlich in der Arbeit selbst begründet. Dabei ist es völlig unerheblich, ob sie dies beabsichtigt hat oder nicht.)

Stefan Tiersch wiederum gebührt die Ehre, 2009 das meistgehasste Moviebeta-Miniposter aller Zeiten gezeichnet zu haben. Über sein in apokalyptischer Art-brut-Manier delirierendes Schaubild „Der tägliche Wahnsinn im Krankenberger 1/4“ waren die angesagten Bewohner von Aachens „lebendigstem Viertel“ ganz und gar nicht amused. Inzwischen ist Tiersch längst in seiner klassischen Phase angekommen und malt im Geiste traditioneller japanischer Ornamentik wunderschöne, detailreiche Tableaus von barocker Üppigkeit. Dass sich in seine attraktiven, wie poliert wirkenden Oberflächen gelegentlich dezent angedeutete, insektoide Alptraumlemente seiner Art-brut-Phase einschleichen, macht die Sache nur noch interessanter.

Dass Installationen nicht zwangsläufig prätentiös im Weg stehen müssen (siehe oben Elisabeth Windischs Zinkbadewanne im Kunsthaus NRW), sondern federleicht und witzig sein können, demonstriert Achim F. Willems mit seinem Postkartenständer an einem zum Klauen schönen informellen Gemälde „Deux corps/Carte postale“.
Ein wenig bedauerlich ist nur, dass Ulrike Groß ihre starke Fotoarbeit einer unheimlichen Begegnung von Rollstuhl und Rollator im Geiste David Lynchs mit dem pennälerhaften Titel „USA, quo vadis“ verdirbt. Und warum Barbara Schulte-Zurhausen den ab-strakten Expressionismus Barnett Newmans noch mal neu erfinden muss, weiß nicht einmal der Wind.
Zum Abschluss noch eine Bitte an die Stadt Aachen oder wen immer es angeht: Überlegt euch BITTE etwas für diese Fassade!
Atelierhaus Aachen e. V. im DEPOT, bis 23.04.

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