Zu sehr in die Länge gezogene Adaption von Truman Capotes Kultroman urbaner Weiblichkeit

Sie wollen Holly Golightly kennenlernen? Dann gehen Sie nicht in den Film mit Audrey Hepburn. Truman Capote hat ihn gehasst und vor allem wollte er als Leading Lady nicht die Hepburn, sondern die Monroe. Diese Maßnahme hätte nicht nur den vom Autor gewünschten Hormoncocktail aus Champagner, Amphetamin und einem Hauch naturbeschwipster Nymphomanie ins Spiel gebracht, sondern auch die Tragik seiner Figur, „die kurz in der Zeitung stehen wird, wenn sie am Grunde eines Röhrchens Veronal ihr Ende gefunden hat“.

Leider bekommen wir auch in der ehrenhaft gescheiterten Inszenierung der Aachener Kammerspiele wenig Gelegenheit, Holly kennenzulernen. Regisseur Jan Langenheim bemüht sich zwar redlich darum, die dem Film abgehende Dekadenz und libertäre Lasterhaftigkeit von Capotes Nachkriegs-New York nachzuliefern, inszeniert das aber weitgehend unspritzig, wie einen zwei Stunden in die Länge gezogenen XXL-Kaugummi.
Beachtlich auch der Verschleiß an Aachener A-Schauspielern, die bereits zur Genüge bewiesen haben, dass sie komödiantisches Talent besitzen, hier aber mangels inszenatorischen Timings in ihren Rollen als fleischfressende New Yorker Partygewächse auf schrille Zimtzickigkeit (Elke Borkenstein) und Ich habe einen Pelzmantel an und das ist schon der ganze Witz (Karsten Meyer) zurückgeworfen werden.
Und Holly selbst? Capotes aus Herzblut und Champagner gebautes Wunderwerk einer „American Geisha“ ist mit  Lara Beckmann auf ähnliche Weise fehlbesetzt wie mit Audrey Hepburn. Mit dieser sympathisch stürmischen Jungspund-Holly ließen sich zwar bestimmt prima Pferde stehlen, aber die Herznote, der bittersüße Cocktail aus Flippigkeit und existenzieller Unbehaustheit, fehlt.

Sie wollen Holly Golightly kennenlernen? Dann fackeln Sie nicht lange und lesen Sie Capotes Kurzroman. Aber geben Sie nachher nicht mir die Schuld für Ihren Liebeskummer!

Frühstück bei Tiffany | nach der gleichnamigen Erzählung von Truman Capote
Theater Aachen – Kammer | Regie: Jan Langenheim, Bühne: Anja Jungheinrich, Jan Langenheim, Kostüme: Veronika Bleffert
Termine im Mai: 03., 12., 18., 26., jeweils 20:00 Uhr

zurück Aachen containert – Interview mit Christian Walter
weiter Der Kirschgarten