Liebe Leser,
„Victoria (Virginie Efira) ist Anwältin in Paris, Ende 30, alleinerziehend, hat ein lockeres Sex-Leben und ist charmant-egozentrisch […]“, droht der deutsche Pressetext zu Victoria – Männer und andere Missgeschicke. Dabei weiß der geneigte Ächter französischer Komödien, dass es erstens nach Isabelle Huppert (zuletzt in Verhoevens „Elle“) keinen weiteren Bedarf an französischen Frauen auf und abseits der Leinwand gibt und dass zweitens neben dem deutschen Filmverleih wohl nur Fedora tragende Erstsemester „charmant-egozentrisch“ als eine kennenlernenswerte Wesenseigenschaft fehldeuten (voraussichtlich ab 04.05., Apollo).

Terrence Malick wird bald mit Radegund einen Film mit August Diehl und Handlung in die Kinos bringen. Demnächst. Irgendwann. Bis dahin kann man Song to Song ohne August Diehl und Handlung in den Kinos sehen. Dafür sieht man Ryan Gosling, Michael Fassbender, Rooney Mara und Natalie Portman sporadisch beim Leben zu. Ich werde Terrence Malick ewig bewundern und vieles verzeihen. Der Rest ist Schweigen (voraussichtlich ab 25.05.).

Get out ist das Regiedebüt von Jordan Peele (bekannt geworden durch das Comedy-Duo Key & Peele). Jordan Peele ist Afroamerikaner (schwarz) und hat einen Horrorfilm darüber gedreht, wie es ist, als Schwarzer (Afroamerikaner) erstmals seinen kaukasischen (weißen) Schwiegereltern zu begegnen. Was in anderen Händen ein unfassbar plattes Moralstück (oder „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich, Teil 3“) hätte werden können, ist dank Peele eine viel intelligentere, komischere und subversivere Spitze gegen die Behaglichkeit der Toleranz geworden (voraussichtlich ab 04.05., Cineplex).
Alien: Covenant ist gruselig, ja. Weil es die Fehler von „Prometheus“ 1:1 wiederholt, weil Ridley Scott unlängst drei weitere Prequels ankündigte und weil der alte Meister nicht ruhen wird, bis er uns all das fantastisch Unwägbare des Originals schulmeisterlich aufgedröselt hat. Wer sich wirklich für die Herkunft des Aliens und im Allgemeinen für die Vorgeschichten von Filmklassikern interessiert, inspiziert allmorgendlich wohl auch seinen Stuhlgang (voraussichtlich ab 18.05., Cineplex).
Ihr Thomas Glörfeld

zurück Denk ich an Deutschland in der Nacht
weiter Funeral Parade for Toshio