Ohne Zweifel und völlig zu Recht ist John Malkovich jedermanns Lieblingsschauspieler. Der Fotograf Sandro Miller dagegen muss an seinem Fame noch arbeiten. Zwar gilt er unter Artdirectoren als allererste Wahl, wenn es um anspruchsvolle Werbefotografie geht – seinen Vornamen, Sandro, hat er schon lange als internationales Markenzeichen fest etabliert.
Millers Kunstambition drückte sich bisher vor allem in seinen kernigen, tiefschwarzen, wie mit Rohöl ausbelichteten Schwarzweißporträts und der überraschend variantenreichen Serie „Hands“ aus.
Bisheriges Highlight seiner Kunstproduktion ist die Hommage an seine ganz persönlichen Götter seiner Zunft. Mit schlangengleicher Biegsamkeit lässt er John Malkovich in die Rollen ikonischer Meilensteine der Fotografie schlüpfen. Auf genüssliche, fast schon polymorph perverse Art ist John Malkovich Che Guevara, Alfred Hitchcock, Marilyn Monroe, Meryl Streep oder Albert Einstein.
Dafür lieben wir den Ausnahmemimen ja so: weil er in sein Haifischlächeln so ziemlich jede erdenkliche Perversion zu legen weiß – diesmal eben das parasitäre „body snatching“ fremder Identitäten.
So eindringlich, manchmal zum Gruseln, manchmal zum Totlachen, die Ausstellung ist, so darf man auch bemerken, dass Millers künstlerisches Konzept der freundlichen Übernahme durch Neuinszenierung von Klassikern seit Cindy Sherman, Anton Corbijn und Yasumasa Morimura nicht mehr so ganz taufrisch oder darf man sagen, ein klein wenig ausgelutscht – nein! nicht jetzt! bei Fuß, Malkovich! – sein könnte?

Deshalb heißt die Ausstellung ja auch aus gutem Grund Malkovich, Malkovich, Malkovich und nicht Miller, Miller, Miller. Bei aller Kurzweiligkeit ist sie aber keine Parodie, sondern der todernst gemeinte Kniefall eines Künstlers vor seinen Vorbildern. Miller dazu: „Wenn ich ein Magazin öffne und auf eines dieser Bilder stoße … stockt mir das Herz.“
Die, denen Miller seine Reverenz erweist, sind u. a.: Alberto Kordas Che Guevara mit Baskenmütze und Feldherrenblick, Picassos Jahrhundertauge, hervorlugend zwischen Hut und Mantelkragen, von Irving Penn, Andy Warhols „Green Marilyn“ oder Bert Sterns „Last Sitting“ mit Marilyn in erschreckend morbider Malkovich-Anmutung.


Nun wäre es ungerecht, ja geradezu fahrlässig, sämtliche Lorbeeren auf Malkovichs haarlosem Haupt zu verteilen und Sandro Miller leer ausgehen zu lassen.
Dieser beweist nicht nur höchst professionelle fotografische Qualitäten in der kaum glaublichen Akkuratesse der haargenauen Nachbildung von Beleuchtung, Stimmung und Komposition, sondern auch geradezu napoleonische Fähigkeiten in der Organisation und Recherche des Ganzen. Die Vorbereitung des Projekts inkl. Konzeption und Zusammentragen der umfangreichen Requisiten dauerte ein Jahr und wurde dann in einer Tour de Force innerhalb von vier fünfzehnstündigen Sessions durchfotografiert.
Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass bei einem Projekt dieses Kalibers Photoshop leider draußen bleiben musste.
KuK Monschau, bis 02.07.

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