Skizzen und Fotos von Aachens erstem „Street-Art-Künstler“ ausgestellt

Ein küssendes Paar vor einem Fahrrad – so weit erstmal kein „optischer Schrei“, wenn man nicht die Geschichte dahinter kennt. Diese spielte 1979, als eine Liebesbeziehung zwischen einem Lehrer und einem Schüler an einem Aachener Gymnasium aufflog und beide der Schule verwiesen wurden. An diesem Prozedere dürfte sich bis heute nichts geändert haben. Allerdings muss man bedenken, dass 1979 in Deutschland noch über Hirnoperationen an Menschen mit „abnormalem Sexualverhalten“ diskutiert wurde. Für den Physikstudenten Paier, der in seinen Wandmalereien politische Themen von Krieg bis Atomkraft aufgriff, hatte das Thema nicht nur politische, sondern auch persönliche Relevanz, engagierte er sich zu der Zeit schließlich auch in der schwulen Aktionsgruppe „Aachener Printenschwestern“.
Und so fand dieses Motiv seinen Weg auf eine Wand gegenüber dem Kaiser-Karls-Gymnasium und befindet sich heute noch an der Mauer des Biergartens am Café Kittel.
Diese Wandmalerei war 2011 das erste „Graffiti“, das in Aachen unter Denkmalschutz gestellt wurde.
2014 folgten „Zwischen den Tagen“ und 2015 „Der große Krieg“ am Augustinerbach.

Derzeit sind in der oberen Etage des Ludwig Forums Fotos von 17 Arbeiten Paiers zu sehen, die in den 80er und 90er Jahren entstanden. Er hat die Entstehung selbst fotografisch festgehalten. Erstmals sind auch die Originalvorskizzen zu sehen, die aus der Sammlung seines Bruders Thomas Paier stammen.
Ludwig Forum, bis 01.10.

Foto: Entwurfsskizze von 1978 | aus dem Archiv Thomas Paier

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