Aachen gilt als „Tanzstadt“, es soll Menschen geben, die sich bei der Suche nach einem Arbeitsplatz gezielt unser Städtchen aussuchen, unter anderem weil die Tanzszene hier so ausgepägt sei. In der Tat scheinen gerade die lateinamerikanischen Tänze zu boomen. Wir haben zwei Menschen unterschiedlichen Alters befragt. Ulf, der schon seit vielen Jahren im Sommer die Salsa-Abende am Elisenbrunnen organisiert und Lennart (20), der sich für uns einmal quer durch Aachen getanzt hat.

Heiße Rhythmen, eine Schnitte Ananas und dann ab auf die von Ulf frisch gebohnerte Tanzfläche – zwei bis drei Mal im Monat kann man am Elisenbrunnen zu Salsa-Rhythmen die Hüften schwingen. Ulf Lohmann veranstaltet die Partys seit 2002. Sogar Besucher aus Köln, Maastricht und Belgien finden ihren Weg zur Rotunde im Elisenbrunnen. Wir haben ihn zum Saisonauftakt getroffen.

Was ist der besondere Reiz an Salsa, Kizomba, Bachata, Forró und Co.?
Das ist schwer zu beschreiben und natürlich sehr subjektiv, aber was den Tanz betrifft … Für mich bei der Salsa ist es vor allem die Freiheit für Kreativität und Spontaneität. Man lernt zwar anfangs ein paar Schritte und Figuren, aber eigentlich zählt nur der Grundrhythmus un, dos, tres oder quick, quick, slow: drei Schritte und eine Pause – abwechs-elnd mit links und rechts beginnen. Was der Tänzer daraus macht und wie der die Musik interpretiert, ist seine Sache. Hauptsache, der Partner kann folgen. Bestimmte Phasen der Musik laden sogar dazu ein, dass die Partner jeder für sich tanzen. Vieles davon gilt auch für die anderen genannten Tänze. Das Reizvolle an der Salsa-Musik sind die unterschiedlichen taktgebenden Instrumente und damit die vielen sich überlagernden Rhythmen.
Was noch fasziniert: Es gibt keine Grenzen, es mischen sich Alt und Jung, alle Nationalitäten, Sprachen, Kulturen, Farben und Religionen.

Wie bist du in diese Szene gekommen und wie kamst du auf die Idee, im Sommer Tanzveranstaltungen in der Rotunde im Elisenbrunnen zu veranstalten?
Durch eine Beschäftigung an einer Surfschule im Jahr 1992 in Cabarete (Dom. Rep.) kam ich bei meinem täglichen Rückweg entlang des Strandes, an einer Diskothek vorbei.
Immer wenn sie da unter freiem Himmel tanzten, setzte ich mich auf die Mauer und betrachtete dieses lebensfrohe Schauspiel. Und versuchte, den Rhythmus und die Schritte des Tanzes zu entziffern. Vergebens. Aber auch die Musik und ihre mir völlig ungewohnten Rhythmen gefielen mir so sehr, dass ich den DJ bat, mir eine Kassette mit Salsa, so nannten sie die Musik, aufzunehmen. Wieder zurück in Aachen 1993, war ich aber ganz erstaunt, dass diese Musik und sogar der Tanz sogar hier gehört und getanzt wurde: in kleinen Latino-Kneipen und -Bars, z. B. der Movida in der Mostardstraße und im Lennet Kann in der Pontstraße (beide inzw. geschlossen).
Die Idee zur Open-Air-Veranstaltung kam uns  2001 auf der Rückfahrt von Paris. Dort hatten wir auf einer Salsa-Open-Air Party bei schönstem Wetter am Ufer der Seine getanzt, an den Kais in Sichtweite von Notre-Dame. Wir überlegten, ob wir so etwas nicht auch in Aachen machen könnten, und da kam uns die Rotunde des Elisenbrunnens in den Sinn. Und hier hätte man sogar ein Dach über dem Kopf.

Ulf Lohmann – seit 2002 Veranstalter der Salsapartys im Elisenbrunnen

Welche Tipps hast du für Anfänger?
Zum Reinschnuppern ist das Apollo am besten geeignet, mittwochs um 18:30. Dort kann man bei einem einstündigen Schnupperkurs testen, ob einem der Tanz und die Musik liegen. Danach kann man in diversen Salsa-Lokalen wie dem Sencillito am Hansemannplatz oder der Tanzschule SalsaFusion auf der Webseite SalsaAixchange einen regulären Tanzkurs besuchen. Dort werden auch die anderen Tänze wie z. B. Bachata und Kizomba unterrichtet. Man braucht keinen Tanzpartner mitzubringen.

Wo treffen sich fortgeschrittene Tänzer am liebsten?
In Aachen zurzeit in der Woche im Apollo und im Sommer, wenn das Wetter mitspielt, am Elisenbrunnen. Außerhalb Aachens z. B. in Maastricht im StayOK, im Bernards oder in der Mulata oder Hasselt (B) in den Ritmo Studios.

Können auch Singles zu den Veranstaltungen kommen?
Selbstverständlich. Dass ein Paar ausschließlich mit sich selbst tanzt, kommt in der Salsa-Welt fast nie vor. Man tanzt ein oder zwei Tänze zusammen, dann sucht man sich einen neuen Tanzpartner.

Mit Charme und Ananas sammeln Kathrin Punge und Bettina Lanowy Spenden ein – denn die GEMA hat ein wachsames Auge.

Tanz-Locations in Aachen

Apollo
Die wöchentlichen Partys im Apollo sind derzeit die größten Salsapartys in Aachen. Mittwochs heißt es „Salsa after Work“. Hier trifft sich ein gemischtes Publikum: viele Schüler/-innen, Studierende, Professoren, Tanzlehrer, alle Schichten und Altersgruppen. Vor der Party gibt es immer einen Salsa-Schnupperkurs für Anfänger und verschiede Themen-Workshops zu Salsa, Bachata, Kizomba für Fortgeschrittene. Für weibliche Anfänger ist es hier super, sie können sich auch bei den Partys führen lassen. Männliche Anfänger haben es ein bisschen schwerer, sie sollten vorher schon ein paar Schritte lernen, ggf. in einem Tanzkurs.
Ins Apollo kommen viele schon früh zu den Workshops, nach ein bis zwei Stunden wird es schon leerer, denn gerade für Anfänger sind zwei Stunden schon anstrenged.
Unschlagbare Preise: Eintritt 5 Euro inkl. Tanzkurs und 3 Euro Mindestverzehr
Pontstraße 141-149, 52062 Aachen

Sencillito
Ein kleiner Laden mit ganz gemischtem Publikum. Es gibt immer Workshops ab 6 Euro.
Hier wird viel Kizomba und Bachata getanzt.
Das Stammpublikum ist Ende 30 / Anfang 40. Manchmal trifft man hier keine jungen Leute.
Alexanderstraße 109, 52066 Aachen

Humboldt-Haus der RWTH Aachen
Hier tanzen vor allem jüngere Menschen, also Studenten von Anfang bis Ende 20. Wenn viel los ist, kommen so 100 Leute zusammen.
Pontstraße 41, 52062 Aachen

Apostos (vormals Besitos)
Zweimal im Monat finden hier freitags Salsapartys statt. Das Apostos liegt vom Publikum zwischen Apollo und Franz. Älteres Publikum als im Apollo, alle können schon tanzen. Getanzt wird Salsa, Bachata, Kizomba und Merengue. Der Eintritt ist frei.
Kapuzinergraben 19, 52062 Aachen

Elisenbrunnen
Zum Open-Air-Salsa kommt ein ganz gemischtes Publikum. An den Sonntagen, wo es kein Salsa am Elisenbrunnen gibt, wird Tango getanzt. Einmal im Monat findet an einem Samstag vor der Salsa-Party eine Forró-Party im Apollo statt. Das ist ein lockerer, leichter, cooler Tanz. Vorwiegend Studenten kommen im Apollo vorbei.

Franz
Im Franz treffen sich bei der monatlichen Salsaparty eher die Könner, keine Anfänger. Wenige sind hier unter 30, Altersgruppe eher ab 40, also das übliche Franz-Publikum.
Franzstraße 74, 52064 Aachen

Partys außerhalb der Reihe
In Wohnheimen, bei der ecuadorianischen Gemeinschaft und in anderen Locations finden auch außerhalb der Reihe Partys statt.

Alle Infos zu Terminen findet man auf der Seite www.salsaaixchange.de
Diese ist zwar nicht sexy aufbereitet, aber gut gepflegt.

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