Señor Schnu aus Aachen ist im Olymp der Street-Art-Künstler angekommen. Noch bis Ende Mai stellt er in „The Haus“ aus, einem temporären Kunsthappening in Berlin, bei dem 165 internationale Künstler ein altes Bankgebäude mit 10.000 Quadratmetern in ein Kunstwerk verwandeln dürfen. „The Haus“, das im Juni abgerissen wird, erregt weltweit Aufsehen. Trotzdem wird Schnu Ende Mai ausgerechnet ins beschauliche Aachen zurückkehren, um in der Raststätte sein Jubiläum unter dem Motto „10 Jahre Schnummunismus“ zu begehen. Während er gerade Burritos für seine Kollegen bei „The Haus“ bestellte, hat er sich Zeit für ein Interview genommen.

Wie kommt es, dass du bei „The Haus“ in Berlin dabei sein kannst?
Ich habe mich mit einem Moos-Projekt beworben und wurde ausgewählt, bei den 165 Künstlern dabei zu sein. Inzwischen mache ich sogar bei der Orga mit, koordiniere Führungen und führe diese auch durch und kümmere mich um allerlei Kleinigkeiten am Rand. „The Haus“ erzeugt viel Aufsehen, ich habe schon eine Führung für Chefetagen weltweiter Konzerne durchgeführt. Übrigens ist mit KEF! noch ein Kollege aus Aachen dabei, der inzwischen auch in Berlin lebt.

Was zeigst du in deinem eigenen Raum?
Mein Raum wurde komplett mit Moos ausgekleidet. Er stellt ein Wohnzimmer dar, mit Sofa und Fernseher. Alles ist mit Moos überzogen. Ich befasse mich mit dem Thema Ökowahn, aber auch mit seiner Scheinheiligkeit. Nach außen ist alles vegan, aber wenn man zu den Menschen nach Hause oder in die Firma kommt, ist es bei vielen nicht mehr so ökologisch.
Für das Zimmer habe ich 400 Kilo Moos verbaut und 200 Liter Joghurt an die Wände geschmiert.

Das hört sich recht kritisch an. Verlässt du damit nicht den vor dir propagierten Happy-Style, mit dem du die Betrachter motivieren willst, positiv zu denken?
Hier bei „The Haus“ können wir Künstler auch einmal etwas anderes machen als sonst. Viele von uns haben damit das vorgefertigte Bild aufgelöst, das die Betrachter, die uns kennen, in den Köpfen haben. Alleine die Räume bieten dadurch, dass sie ja im Juni abgerissen werden, so viel mehr Möglichkeiten. Wo kann ich sonst 200 Liter Joghurt an die Wand knallen, um Moos zu befestigen und feucht zu halten?

Inwiefern hat dich Berlin und auch „The Haus“ inspiriert und weitergebracht?
Ich bin jetzt zwei Jahre in Berlin und es inspiriert einen absolut. Alleine, wen du hier kennenlernst und welche Kontakte du knüpfen kannst. Ich habe jemanden von Jägermeister kennengelernt und ein großes Moosgraffiti für sie gemacht. Oder jemanden von einer großen Galerie in Hamburg.
Auch bei „The Haus“ habe ich so viele Leute kennengelernt und Kontakte geknüpft – es wird für viele Künstler hier Folgeaufträge geben.


Und trotzdem kommst du Ende Mai ausgerechnet ins kleine Aachen zurück, um dein Jubiläum zu feiern?
Ja natürlich. Aachen ist meine Heimat und ich will die Fahne hochhalten für Street Art.
Ich will zeigen, dass auch jemand von hier bei der größten Street-Art-Ausstellung weltweit mitmachen konnte, wo 165 Künstler aus 17 Nationen dabei waren und über die Berlins Senator für Kultur und Europa, Dr. Klaus Lederer, gesagt hat, es sei die beste Ausstellung, die er bisher gesehen hat.

Du kommst also zurück in die Raststätte. Warum an diesen Ort? Welche Bedeutung hat sie für dich?
In der Raststätte hatte ich vor Jahren meine erste Ausstellung. Die Raststätte unter Waltrauds Führung ist einzigartig. Ich möchte so weit gehen zu sagen, dass sie der einzig wahre Ausstellungsort in Aachen ist. Es gibt keinen Ort, der cooler ist, in Aachen.

Was planst du für deine Ausstellung hier? Was können wir erwarten?
Da hab ich große Pläne. Es wird eine Installation geben und ich möchte die Räume dafür anders aufteilen. Natürlich gibt es Klassiker zu sehen nach dem Motto „Wie ist Schnu entstanden?“. Aber ich habe auch weitere Ideen. Auf Moos und Joghurt an der Wand muss ich hier verzichten, aber es wird Dinge geben, die Aachen noch nicht gesehen hat.

Das klingt nach Arbeit. Wie schaffst du das, du bist doch gerade noch in Berlin involviert?
Hier bei „The Haus“ arbeite ich auch täglich von 9:00 bis 22:00 Uhr. Ich werde das meiste für Aachen auch hier in Berlin schon vorbereiten. Was ich allerdings noch gebrauchen könnte, sind Sponsoren. Ich muss einen Wagen mieten, um alles nach Aachen zu bringen, und brauche Bauelemente. Also wenn sich jemand angesprochen fühlt …

Außer einem Pressebild kannst du kannst mir keine Fotos von deinem Raum in „The Haus“ zur Verfügung stellen, auch sonst hält man sich auf der Website und Facebook-Seite von „The Haus“ sehr bedeckt. Was hat es damit auf sich?
Bei „The Haus“ haben sich die Organisatoren für ein striktes Foto- und Handyverbot ausgesprochen.
Das Motto ist: Egal wer du bist, egal wie du heißt und was du machst, nimm dir die Zeit, um Dinge zu schaffen und Geschaffenes wirklich zu erleben, bevor es zu spät ist. Dazu gehört das Handyverbot. Die Besucher müssen das Smartphone in eine Plastiktüte geben und dürfen keine Fotos machen. Sie sollen einfach mal den Moment genießen. Wir haben festgestellt: Vielen Leuten geht es sonst gar nicht um die Ausstellung, sondern nur um ihr Foto, das sie auf Instagram posten können. Andere wiederum denken: Ich brauch gar nicht mehr hin, hab ich ja alles schon im Netz gesehen.
Auch das bringe ich übrigens aus Berlin mit: Bei meiner Ausstellung heißt es: Keine Fotos – lasst die Smartphones mal ʼne Stunde in der Tasche

Señor Schnu sehen:

The Haus – Berlin Art Bang

Nürnberger Straße 68/69, 10787 Berlin
www.thehaus.de
Bis Ende Mai, Di-So, 10:00-20:00 Uhr, letzter Einlass 18:30-19:00 Uhr
Achtung, es gibt lange Wartezeiten, denn nur 199 Menschen können gleichzeitig in dem Gebäude sein. Wer sichergehen will, dass er die Ausstellung sehen kann, bucht eine Führung für 10 Euro.

Raststätte Aachen

Lothringerstraße 23, 52062 Aachen
www.raststaette.org
10 Jahre Schnummunismus – The Art of Happiness
Öffnungszeiten: 25.05.2017: Ausstellungsbeginn und Vernissage: 16:00 Uhr, Ende offen
26.+ 27.05.2017: 13:00-20:00 Uhr
28.05.2017: Ausstellungsende und Finissage: 15:00-20:00 Uhr

zurück Sieben Minuten nach Mitternacht
weiter Bierbrüder, Braukessel und Brathendl