Ein furioser Abschied des Generalmusikdirektors Kazem Abdullah! Sinnlich bis schillernd und mit viel Lässigkeit manövriert er das Orchester über die hohen Wogen dieser Straussʼschen Chimäre. In „Ariadne auf Naxos“ lässt Richard Strauss zwei Rivalen aufeinanderprallen, um sie in höchster Vollendung zu vereinen – die erhabene Opera seria und die komische, oft vulgäre buffa. Kazem Abdullah greift behutsam nach diesem explosiven Mischwesen, erkennt die zartesten und die wildesten Seiten und legt ein fulminantes Feuerwerk an Emotionen in die Hände der Sänger, deren Leistung der des Orchesters in nichts nachsteht.

Nicht frei von einer Prise Provokation treiben Richard Strauss und Librettist Hugo von Hofmannsthal den ewigen Kampf des Musikmarktes mit der frei flatternden, ihm jedoch gänzlich ausgelieferten Künstlerseele auf die Spitze. Auf Wunsch seines reichen Gönners muss der junge Komponist seine Oper „Ariadne auf Naxos“ mit den Phantasmen einer Commedia-dell’arte-Truppe spicken.

Eine durchgeknallte Geschichte, die Regisseur Joan Anton Rechi dankend in eine durchgeknallte Inszenierung packt. Das Vorspiel wird von einer Tür-auf-Tür zu-Komik und der etwas zu oft gesehene Zeitlupen-Ästhetik beherrscht, die jedoch in diesem Fall gut funktionieren. Ein Bravo an die Solisten, die mit dieser Inszenierung sämtliche Vorurteile, Sänger seien keine guten Schauspieler, zerstreut haben. Spritzig und komisch die Begegnung der rivalisierenden Truppen, überzeugend der Übergang in die Oper in der Oper.

Und genau hier hätte Rechi einen Gang zurückschalten müssen. Zu viel buffa, zu wenig seria.
Ariadne ist eine zutiefst tragische Figur. Die Tiefe und Schwermut, die Strauss dieser gebrochenen Frau in den Schoß legt, ist ein wesentlicher Bestandteil der Idee hinter der Komposition. Rechi lässt aber einen Gag auf den nächsten folgen, mitunter ungemein komische, doch in der Überzahl ermüden sie und verlieren an Wirkung. Wie die Gags folgen auch die Lacher des Publikums einem gewissen Rhythmus, der auch vor der schönsten Arie nicht haltmacht. Weniger wäre hier gewiss mehr gewesen.

Besondere Erwähnung verdienen das fein abgestimmte Lichtkonzept von Dirk Sarach-Craig und die im wahrsten Sinne glanzvollen Kostüme der Designerin Merce Paloma.

Was die Inszenierung an manchen Stellen vermissen lässt, machen Solisten und Orchester wieder wett, so wird „Ariadne auf Naxos“ mit Sicherheit zu den erfolgreichsten Aufführungen auf der Aachener Bühne zählen.

Ariadne auf Naxos | Oper von Richard Strauss  | Theater Aachen, Bühne | Inszenierung: Joan Anton Rechi, Musikalische Leitung: Kazem Abdullah, Bühne: Alfons Flores, Kostüme: Merce Paloma, Choreographie: Sara Blasco Gutiérrez | Vorstellungen im Juni: 04., 14., 18., 22., 25., 30.

Foto: Carl Brunn

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