Kinopremiere im Cineplex. Shin Godzilla wurde gezeigt, Original mit Untertiteln. Hilfreich, da mein Japanisch nicht über Toranaga-sama und Kamikaze hinausgeht. Aber eigentlich wollte ich auch nur Bilder sehen. Am Kino angekommen, fiel mir sofort ein seltsamer Typ auf; knappe Jeanshose (kurz vor Hot Pants), Strohhut auf, ziemlich große Wasserflasche unter dem Arm und mit einem Dauerlächeln bestraft, weil der Wahnsinn scheinbar keine geraden Linien zeichnen kann.
Er schien etwas zu suchen. Sekunden später wusste ich auch, was. Mich.
„Darf ich Sie etwas fragen?“, fragte er. Dass er damit schon die erste Frage hinter sich gebracht hatte, verkniff ich mir und antwortete „Worum geht’s?“ „Ist was Privates“, sagte er. „Wenn es nicht zu privat ist“, seufzte ich zurück. Sein Kopf schob sich nach vorne: „Wissen Sie … Ich traue keinem Erdbeben mehr.“ Ich sagte nur „Aha“. Anscheinend nicht ausladend genug, denn er redete weiter.

„Die Amerikaner“, setzte er an, schluckte hörbar seine Spucke runter, „Nein, ich muss anders anfangen. Letzte Woche wurde ich in der Nacht von einem grellen Licht geweckt. Ich ging zum Fenster und sah am Himmel etwas Rautenförmiges. Es wechselte blitzschnell die Position. Zack, war es hier, wusch, war es da.“ Ich gab ihm halbwegs höflich ein „Oha“ zurück. Er weiter: „Ich bin dann sofort ins Netz. ,Rautenförmiges Licht‘ habe ich eingegeben. Und da kam’s. Drohnen. Flächendeckend über Deutschland. Wahnsinn.“ Ich schaute nach oben. „Nur nachts“, beruhigte er mich. „Das Krasse kommt noch. Ich nächsten Tag am Hauptbahnhof Köln-Ehrenfeld. Ein großer schwarzer Mann kommt auf mich zu und sagt: Wir wissen, was Sie wissen. Reden Sie mit keinem darüber.“ „Was Sie jetzt aber tun“, antwortete ich irritiert. „Klar, Mann. Ich brauche jemanden zum Reden. Ich drehe sonst durch.“ „Was ist denn mit den Erdbeben?“, fragte ich, um langsam den Kreis zu schließen. „Na, die. Die, verstehst du?“, antwortete er. Jetzt wusste ich auch, wo das verschwörerische Du herkam. Dann kamen meine Kinobegleiter und das Gespräch verstummte. „Noch eine Sache“, sagte er. „Schau mal nach. Such mal im Netz nach dem, was ich dir gesagt habe. Aber tu dir selbst einen Gefallen. Mach es nicht von deinem Rechner aus. Investier ruhig mal den Euro für ein Internetcafé. Ist sicherer.“ Weg war er. Nein. Ich habe nicht danach gesucht. Vielleicht hatte das alles eine andere Bedeutung. Er wollte darüber in der MOVIE lesen. Er wollte mir eine Story liefern. Hier. Bitte schön. Und. Großer schwarzer Mann. Ich weiß, dass du es auch liest.

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