30 Jahre Das Da Theater

„Entweder kommen die Menschen, weil sie uns mögen, oder sie kommen nicht, weil sie uns nicht mögen. Das ist völlig in Ordnung“, sagt Tom Hirtz, Gründer, Regisseur, Intendant und Geschäftsführer des Das Da Theaters.
Die kleine, vor 30 Jahren gegründete Theatergruppe hat sich 6.280 Vorstellungen später zum größten professionellen Privattheater der StädteRegion Aachen gemausert. Tom Hirtz versprüht die Gelassenheit eines Menschen, der im Dickicht künstlerischer Fantasien und im Dschungel bürokratischer und politischer Hürden seinen Weg gefunden hat.

30 sicherlich nicht sorgenfreie Jahre. Welche Kraft treibt dich an?
Tom Hirtz: Immer noch die Lust, Theater zu machen. Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass es viele tolle Geschichten gibt, die es zu erzählen lohnt. Ich möchte meine Meinung sagen, mich in gesellschaftliche und politische Prozesse einmischen. Oder einfach nur Freude bereiten. Ich möchte Dinge, die die Menschen bewegen, auf der Bühne erlebbar machen. Mal poetisch, mal politisch, mal provokant, mal kritisch. Ich glaube, dass Theater nur dann funktioniert, wenn jemand von der Straße reinkommt, sich hinsetzt, guckt und versteht. Das bedeutet nicht, dass man sich anbiedert oder dass man Boulevard macht. Es darf auch mal wehtun, aber es muss die Menschen abholen. Außerdem ist es verlockend, selbstbestimmt den Spielplan gestalten zu können, Themen zu kombinieren, die einem wichtig sind, Spannungsbögen zu schaffen. Mittlerweile steht unser Haus im Raum Aachen für eine bestimmte Art, Theater zu machen. Und das schafft man nur, wenn man mit einem festen Team die Möglichkeit hat, über Jahre kontinuierlich eine Handschrift für eine Stadt, für ein Haus zu prägen.

Wollte 1987 nur spielen und leitet heute das größte professionelle Privattheater der StädteRegion Aachen: Tom Hirtz

War es strategische Überlegung oder Teil des künstlerischen Prozesses, deinen Regiestuhl nach vielen Jahren Alleinherrschaft mit anderen zu teilen?
Ich blühe immer auf, wenn ich selber inszenieren kann, aber irgendwann war klar, ich kann nicht neun Stücke im Jahr auf die Bühne bringen und meinen Job als Geschäftsführer machen. Die Entscheidung, andere Regisseure ins Boot zu holen, war also notwendig, auch für die künstlerische Entwicklung des Hauses. Maren Dupont und Achim Bieler arbeiten Das-Da-typisch, trotzdem bringen sie eine eigene Handschrift, eine eigene Sichtweise mit. Manchmal bin ich neidisch, wenn sie in der Probe sind und ich am Schreibtisch sitze, aber ich habe früh erkannt, dass man künstlerisch nur dann frei arbeiten kann, wenn die wirtschaftliche Grundlage, die Organisation und Kommunikation stabil sind.

Über 3.000 Vorstellungen für rund 330.000 Kinder in Aachen und Umgebung. Ist Kindertheater dein besonderes Steckenpferd?
1991 haben wir mit Kindertheater angefangen und ganz früh erkannt, dass Kinder ein tolles Publikum sind. Sie sind echt und direkt, ihnen kann man nichts vorgaukeln. Mir liegt auch die bildungspolitische Aufgabe des Theaters am Herzen. Gerade in der immer weiter digitalisierenden Welt ist es wichtig, das archaische Urbild von Theater zu vermitteln. Kinder sind kreativ und offen, Neues aufzunehmen. Wir spielen rund 300 Vorstellungen pro Jahr im Bereich Kindertheater. Zwei Teams sind jeden Tag unterwegs, eins in den Kitas, eins in den Schulen. Das wird mit Sicherheit ein Hauptbestandteil unserer Arbeit bleiben. Seitdem wir das Theaterpädagogische Zentrum (TPZ) aufgebaut haben, können wir noch mehr in die Richtung arbeiten. Die Kinder nicht nur als Zuseher sehen, sondern sie auch aktivieren, sie zum Spielen animieren.

Das TPZ hat alle Erwartungen erfüllt, ausgebuchte Kurse sowohl bei den Kindern als auch bei den Erwachsenen. Es hätte aber auch anders kommen können. Brauchst du dieses Kribbeln, das Spiel mit dem Risiko?
Unternehmergeist braucht es schon, um so etwas aufzubauen. Es gibt aber Stellen, wo ich mir ein bisschen weniger Kribbeln sehr gut vorstellen könnte. Gerade wenn es um die finanziellen Aspekte geht. Das Risiko wächst immer, die Verantwortung für die Mitarbeiter auch. Wir spielen 75 Prozent unseres Umsatzes selbst ein, das ist eine Wahnsinnsquote, trotzdem fehlen 25 Prozent jedes Jahr, was mich schlecht schlafen lässt. Was ich mir wünsche für die Zukunft, wäre, aufgrund einer etwas stabileren wirtschaftlichen Situation künstlerisch noch freier sein zu können. Projekte zu entwickeln, wo man nicht immer auf die Zahlen schauen muss, sondern ein bisschen mehr spinnen dürfte. Aber solange ich vor jeder Premiere das Gefühl habe, das ist das Wichtigste, was ich je in meinem Leben getan habe, ist es okay. Wenn man nicht mehr brennt, sollte man aufhören.

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