CDN/GB 2016 | Regie: Robert Budreau | Darsteller: Ethan Hawke, Carmen Ejogo, Callum Keith Rennie | 97 Min. | ab 08.06.2017
Die Molltöne entsprachen schon immer eher der Natur des Chet Baker. Sein größter Erfolg ist immerhin das an Traurigkeit kaum zu überbietende „My Funny Valentine“. Dennoch traf er einen Nerv und stieg in den Fünfzigern zu einem der gefragtesten Jazzmusiker auf. Doch es stellte sich schnell heraus, dass Baker nicht für das Showbiz geschaffen war. Nur ein knappes Jahrzehnt später war er am Ende. Heroinabhängig saß er im Knast. Hier setzt Robert Budreaus Interpretation ein. Ein Filmproduzent kauft ihn frei. Er will ein Biopic über Baker drehen, mit ihm in der Hauptrolle. Am Set begegnet dem geläuterten Trompeter die Schauspielerin Jane. Mit seinem Charme umgarnt er sie, doch das Glück wendet sich bald. Chet landet im Krankenhaus, nachdem ihn ein früherer Dealer, dem er noch Geld schuldete, blutig schlug. Dabei büßte er einen Großteil seiner Zähne ein und die Fähigkeit, seiner Berufung nachzugehen. Doch Jane bleibt bei ihm und langsam kämpft sich Chet aus dem Loch heraus, zurück ins Rampenlicht. Das Comeback Ende der Sechziger sollte eine fruchtbare zweite Karriere einläuten. Von den Drogen kam Baker aber nie los – einmal Junkie, immer Junkie. Budreau, der bereits einen Dokumentarfilm über Bakers Leben drehte, wählt für sein Spielfilmdebüt eine sehr frei improvisierte Herangehensweise. Seine Interpretation ist leidenschaftlich, ebenso wie das Spiel von Ethan Hawke, der den „King of Cool Jazz“ nuanciert verkörpert.

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