„Ute, Lappen, DÜSSELDORF!“

Eigentlich ist ja jeder selbst schuld, der sich freiwillig eine Show der drei Hamburger Profi-Torfnasen Schamoni, Strunk und Palminger antut, man kann also kaum Mitleid erwarten – und Unwissenheit schützt auch hier definitiv vor geistiger Verkümmerung nicht.
Also Schluss mit dem Gejammer und von vorn: Wer oder was ist Studio Braun?
Gute Frage, lieber Leser.
Hinter diesem ausgesprochen poetischen Namen verbirgt sich ein Trio infernale aus dem Norden: an erotischer Aufladung kaum zu überbieten, an Sinnhaftigkeit kaum zu unterbieten.
Rocko, Heinz und Jacques, so lauten die klangvollen (Künstler-)Vornamen der drei Herren im besten Alter. Beginnend Anfang der Neunzigerjahre mit Telefonstreichen (als ich vermutlich noch in die Windeln … lassen wir das) nimmt es seinen absurden Lauf – bis die Geschichte uns irgendwann ins E-Werk Köln führt, und zwar am 31.05.17, 20:15 Uhr.
An diesem geschichtsträchtigen Tag nämlich verirren sich die drei aus Hamburg in den tiefen Westen, ins Rheinland, um dort ihr neues Buch, ihr Lebenswerk, vorzustellen: „Drei Farben Braun“. Ein Potpourri der gesammelten Werke; der Musik, der Theaterstücke, der Aktionen und der übrigen geistigen… Ergüsse aus dem Hause Braun.
Um diesem Umstand adäquat gerecht zu werden lässt sich Herr Schamoni (der King, ihr versteht) dann auch mehrfach dazu hinreißen, sein bezauberndes, aphrodisierendes Nordgenuschel durch ausgesprochen dilettantisches Kölsch zu ersetzen – eine folgenschwere Entscheidung. Das Publikum weint vor Lachen und er stellt wiederholt fest: „Dieser Singsang, das ergibt keinen Sinn. Jeder Akzent hat doch einen Weg, weiß wohin es gehen soll – in Köln nicht. In Köln geht man einfach vollkommen willkürlich mit der Stimme hoch und runter, eine Berg- und Talfahrt ist das!“
In schönstem Nord-Kölsch erfahren wir also von den Anfängen des Humor-Trios, von Telefonstreichen deluxe, von Benito, der Saufkrake – und warum es wichtig für das Nationalgetränk Fanta ist, dass in jedem Schaufenster eine Dose des geringfügig gezuckteren Erfrischungsgetränks zu finden ist. Auf der Suche nach (mindestens) dem Sinn des Lebens wird ebendiese Fanta dann auch palettenweise aufgekauft und für Dumpingpreise („20! Währung spielt keine Rolle!“ vor dem Supermarkt wieder veräußert (Beweisfotos!), aber das ist ja nur eine der Maßnahmen der braunschen Fanta-Aktiv-Werbekampagne.
Abgesehen von solch ekelhaft kommerzialisierten Aktionen gibt es aber auch nach wie vor die hippiesken, sozial-orientierten Iniativen im Lebenswerk der drei zu bestaunen: Die groß angelegte Übernachtungsaktion im Schauspielhaus Hamburg beispielsweise (hier kommt dann auch Benito zum Einsatz).
Um mich hier noch weiter über die drei Ausnahmekünstler und philosophischen Meister auszulassen fehlt langsam der Platz und dem geneigten und verirrten Leser vermutlich auch die Geduld, daher empfehle ich: Kauft euch das Buch oder besucht eine der verbleibenden Shows.
Ihr werdet es (hoffentlich) nicht bereuen, eure Lebenszeit und euer Geld dem absurden Murksuniversum namens Studio Braun geopfert zu haben.

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