Der Sommer steht vor der Tür, es wird wärmer, die Tage werden länger. Deswegen wollen wir vom MOVIE, dem Magazin für Genuss und kultivierte Lebensart, ein paar ganz besondere Baustellen-Leckerbissen vorstellen. Von Profis aus einer schier unermesslichen Fülle an Angeboten ausgesucht haben wir wie immer vor, nur exzellente Qualität zu präsentieren. Unsere Auswahl – wie wir finden die Créme de la Créme:

Baustelle Bachstraße I

Ein gutes Beispiel für eine ausgewogene Balance von spielerischer Rhythmik, konzeptioneller Strenge und interessantem Materialmix. Die flächig drapierten verikalen Stoffbahnen an der filigranen Stahlkonstruktion signalisieren Leichtigkeit und greifen das Thema Intransparenz auf. Der orangefarbene, schalenförmige Objekt rechts mit der Chiffre Ph-ili-pp-en bietet ein reizvolles formales Gegengewicht. Zu dieser Baustelle passt hervorragend ein 2005er Chardonnay.

Baustelle Neumarkt

Dieses delikate Ensemble aus norditalienenischen Sandbruchsteinen und einen Besen aus dem OBI Eilendorf ist recht neu in der Szene und lediglich als temporäre Installation gedacht. Ein modernes Vanitas-Stilleben, das in seiner Morbidität hervorragend von einem schweren Cognac unterstützt werden sollte.

Baustelle Jakobshof

Eine minimalistische Arbeit, ebenso reduziert in der Ausführung wie geheimnisvoll. Die schmalen vertikalen und diagonalen Gestänge links und das locker drapierte rot-weiße Band lassen zunächst auf eine eher traditionelle Stilistik schließen; die zentralen roten, spielerisch angefertigten Zeichen aber lassen keinen Zweifel: an diese vormals kultischen Stätte wirkten magische Kräfte. Wir empfehlen ein 0,3 l Bitburger und einen Fernet.

Baustelle Marschiertor

Hier stimmt einfach alles: Die traumwandlerische Sicherheit der polyrhythmisch arrangierten vertikalen und horizontalen Elemente, dazu die bewusst als Bruch konzipierten Diagonalen und die feingliedrig gearbeiteten Dielensegmente aus Tropenholz. Zu dieser Arbeit mit dem Titel „Umleitung“ wäre ein 1987er Bordeaux ein guter Begleiter.

Baustelle Elysée

Durchbrüche, Umbrüche, Einbrüche – man spürt sofort – an diesem Platz passiert gerade sehr viel. Als bis ins Mark dekonstruktivistisch und nihilistisch präsentiert sich diese Arbeit als anspruchsvolle Kost für Connaisseure. Hat man sich aber erst einmal eingiebig mit dem Werk beschäftigt, so wird die tiefere Botschaft klar: Der Blick auf das strahlend weiße Gebäude im linken Bild ist nur der schwache Abglanz des Lichtspiels, das hier früher stattgefunden hat. Dazu ein mittelwarmes stilles Mineralwasser – perfekt!

Baustelle Bachstraße II

Die Lichtinstalltion „Autobahn – Hommage  an Kraftwerk“ ist besonders abends ein romantisches Erlebnis, das mit einer 0,2 Stange Diebels Alt bestens abgerundet würde.

Baustelle Burtscheider Brücke

Weit ausladend und sehr surreal: ein besonders kontemplatives und mehrdeutiges Werk, das weit über den Augenblick nachwirkt: Hier werden archetypische Bilder hervorgerufen: Die Welt als nach Sinn lechzende Steinwüste, in der für den Menschen letztlich nur Platz als Staub aufwirbelndes, wichtigtuerisches Subjekt bleibt. Eine trotz dieser eher melancholischen Grundstimmung sehr ansprechende Arbeit, die man an leichten Sommerabenden mit einem trockenen Riesling aus dem Rheingau genießen sollte.

Baustelle Dom

Auch wenn diese Baustelle schon recht lange im Angebot ist – Experten schätzen sie auf rund 1.200 Jahre – so ist es gerade ihre Langlebigkeit und Beständigkeit, die sie – im Gegensatz zu flüchtigen Installationen wie dem Flughafen BER – zu einem oft frequentierten Hot Spot in der Szene macht, denn immer wieder ändern sich Materialien und Akteure. Die aktuelle Inszenierung „Aluminium Charlemagne“ wurde bereits auf der diesjährigen Bau-Biennale in Venedig gezeigt. Hier sollte man zu einem mindestens 20 Jahre alten Single Malt greifen.

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