Eigentlich hatte „Aachen Containert“ heute um 8 Uhr zum Protest gegen die angesetzte Gerichtsverhandlung gegen zwei Aachener aufgerufen, die Lebensmittel aus Supermarkt-Mülltonnen geholt haben sollen. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautete „schwerer Diebstahl“.
Dann gestern Nachmittag die überraschende Nachricht: der Termin des Prozesses wurde abgesagt. Da dies vielleicht nicht alle Teilnehmer des ursprünglichen Protests mitbekommen hätten, wurde aus Protestaktion einfach ein Picknick-Frühstück – natürlich mit containerten Lebensmitteln.

Christian Walter, Betreiber der Facebookseite „Aachen containert“ und selber seit 10 Jahren in der Szene aktiv, breitet eine große Picknick-Decke aus und befüllt sie mit den zahlreichen Lebensmitteln, die eigentlich für die Tonne vorgesehen waren. Darauf zu finden ist alles, was man für einen guten Start in den Tag braucht: Orangensaft, Obst und Gemüse, Joghurt, Brot und noch vieles mehr. Immer mehr gesellen sich zu der Runde. Zwei der Anwesenden erfahren sogar erst Vorort, dass es heute zu gar keinem Prozess kommen wird. Christian Walter bedankt sich in einer kleinen Ansprache bei allen, die die Petition „Containern ist kein Verbrechen“ unterstützt haben.

Unterschriften-Übergabe an die Aachener Staatsanwaltschaft am Vortag

Die Absage hat gezeigt, dass Protest wirkt. Ein Grund zum Feiern natürlich – besonders für alle, die sich mit ihrer Unterschrift der Petition für die Einstellung des Verfahrens und der Entkriminalisierung von Containern eingesetzt haben. Diese Unterstützung kann sich sehen lassen. Mittlerweile zeigt der Unterschriftenzähler der Petition mehr als 127.000 Stimmen an. Erst gestern erfolgte die Unterschriften-Übergabe an die Aachener Staatsanwaltschaft. Ein Korb voll mit leckeren, geretteten Lebensmitteln wurde mit den Unterschriften überreicht. Auch wenn dieser natürlich nicht angenommen werden durfte und stattdessen das heutige Frühstücksbuffet vor dem Eingang des Amtsgerichts bereicherte, ist es dennoch eine augenzwinkernde Geste, die zeigt, wie paradox es ist, dass Menschen für die Rettung genießbarer Lebensmittel angeklagt werden.

Richtigstellung: Verfahren formell noch nicht eingestellt

Laut der Pressestelle des Amtsgerichts müsste richtiggestellt werden, dass das Verfahren formell noch nicht eingestellt sei. Zunächst sei nur der gestrige Prozesstermin aufgehoben. Man wolle versuchen das Verfahren ohne Hauptverhandlung einzustellen und dafür sei alles in die Wege geleitet. Nun müssen alle Verfahrensbeteiligten, so auch die Staatsanwaltschaft und die zuständigen Dezernenten, diesen Umstand prüfen und dem zustimmen.
Ein Freispruch hätte vielleicht noch eine stärkere symbolische Bedeutung gehabt, meint Christian Walter. Dennoch freut man sich, dass die massiven Proteste gewirkt haben, das Thema Aufsehen erregt hat und so noch stärker in die Öffentlichkeit gerückt ist. Er und alle Unterstützer der Initiative „Containern ist kein Verbrechen“ setzen sich selbstverständlich weiterhin für ihre Anliegen ein. Das nächste große Ziel, ist es, auf Bundesebene die Abschaffung der Kriminalisierung von Containern zu bewirken. Zunächst sind aber alle eingeladen morgen bei einem Picknick um 16:00 Uhr im Frankenberger Park erstmal den heutigen Erfolg weiter zu feiern.

Mehr Infos:
aachencontainert.blogsport.de
www.facebook.com/AachenContainert

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