Rückblende: Wir schreiben das Jahr 1938. New York erzittert unter der Angst vor einer außerirdischen Invasion. Natürlich hat die Presse wieder mal übertrieben, es gab weder Selbstmorde noch Massenpanik, der einzige bleibende Effekt der Erstausstrahlung von „Der Krieg der Welten“ war, dass Orson Welles weltberühmt wurde.
Heute sind wir abgebrüht, abgestumpft, haben zu viel gesehen und gehört, um noch an irdisches Leben zu glauben, geschweige denn an außerirdisches. Doch plötzlich mehren sich die Gerüchte um bizarre Tollwutfälle, hinter vorgehaltener Hand munkelt man von Zombies, das Klinikum Aachen verweigert jede Auskunft. Nur bei Radio Paranoia spricht man offen über die beunruhigenden Ereignisse im schönen Dreiländereck.
Der Virus greift um sich, die mit reichlich Blut (Ketchup) gewürzte und von splitternden Knochen und zerfetztem Fleisch (Wassermelone und Porree) knisternde Geschichte erreicht mit der dritten Folge die bis dato zombiefreie Bühne des Mörgens. Eine Pandemie ist nicht ausgeschlossen, denn das Duo Augustin/Hannemann beherrscht sein Handwerk. Auf der Bühne zu sehen sind vier Tische, eine Schauspielerin, zwei Schauspieler, ein Musiker, ein Laptop, ein Synthesizer, Gießkannen, Küchentücher, Schlösser, Gläser, Besteck und noch etliche bizarre Gegenstände, die sogar Meister Jack Donovan Foley, den Pionier unter den Geräuschemachern, vor Neid oder Bewunderung erblassen lassen würden.
In atmosphärisch und akustisch dichten Bildern wird man Augen- und Ohrenzeuge einer schrägen und völlig durchgeknallten Geschichte, deren intensives Pochen und Beben der großartigen Leistung der Akteure zu verdanken ist. Diese müssen nicht nur in zig Rollen schlüpfen, sie übernehmen auch die Rolle des Foley artist und lassen die reichlich vorhandenen, Töne spuckenden Requisiten nacheinander, miteinander oder nach Belieben auch durcheinander erklingen.
Es empfiehlt sich nicht unbedingt, die Augen zu schließen, denn optische Reize sind ebenfalls reichlich vorhanden. Tut man es dennoch, beginnt ein anderes, sehr eigenes Kopfkino, in dem mit Sicherheit kein Ketchup fließt.
Auch wenn diese Folge weniger von der gewichtigen Idee des „Sind wir nicht alle ein bisschen Zombie und müssen gestoppt werden?!“ spüren lässt: Anita Augustin, Eike Hannemann, Marie Hacke, Thomas Hamm, Tim Knapper, Malcolm Kemp – die Stadt gehört euch!

Foto: Wil van Iersel

Nekropolis – Die Stadt gehört uns!
Eine Live-Hörspielfolge von zombie-zoff, Theater Aachen, Mörgens. Konzept/Text: Eike Hannemann, Anita Augustin, Bühne und Kostüme: Eike Hannemann, Musik: Malcolm Kemp
Mi, 05.07., 20:00 Uhr | Sa, 08.07., 20:00 Uhr | Do, 13.07., 20:00 Uhr

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