Eine Werkschau anlässlich der Verleihung des Aachener Kunstpreises

Es ist durchaus legitim, wenn seitens der Freunde des Ludwig Forum und des Museumsdirektors Dr. Andreas Beitin mit Stolz darauf hingewiesen wird, dass Franz Erhard Walther (* 22. Juli 1939 in Fulda) der Aachener Kunstpreis bereits 2016 verliehen wurde, also bevor er den Goldenen Löwen bei der diesjährigen Biennale in Venedig erhielt. Das darf man dann auch ruhig zwei- oder dreimal betonen, beweist es doch, dass die Entscheidung der Jury im Nachhinein, sozusagen in höchster Instanz, noch einmal bestätigt wurde. Die Radikalität von Walthers Arbeiten erschließt sich kaum auf den ersten Blick. Zum einen sind sie von sublimer Natur und zum anderen fordern sie den Betrachter zur faktischen oder zumindest gedanklichen Partizipation auf. Die genähten, begeh- und benutzbaren Objekte, die sich im Spannungsfeld zwischen Strenge und Verspieltheit erst durch das Mittun/
-denken des Betrachters voll entfalten, fordern Konzentration und Auseinandersetzung ein. Im Übrigen keine Eigenschaften des „Users“, wie wir ihn heute kennen. Die Behauptung, Walther habe ebenjenen – quasi en passant – erfunden, zu der sich
Prof. Dr. h. c. mult. Peter Weibel in der Laudatio verstieg, erscheint mir deshalb etwas abwegig.

Es kann eingeräumt werden, dass Walthers Werksätze – schon die Bezeichnung klingt nicht von ungefähr nach Arbeit – sich nur schwer adäquat rezipieren lassen. Eher drohen sie im Grundrauschen eines sensationsverliebten Kunstmarktes unterzugehen. Oder sie werden durch eine konservativ-bornierte Haltung marginalisiert wie jüngst in einem Kommentar im SUPER Mittwoch (31.05.2017, Ausgabe Nord). Es bietet sich an, an dieser Stelle den Terminus „erweiterter Kunstbegriff“ kurz wirken zu lassen, als zaghaften Denkanstoß und um Walthers Werk die herausragende Bedeutung zu attestieren, die es für seine Generation und alle nachfolgenden Künstlergenerationen hatte.

„Handlung denken“ ist noch bis zum 29.10.2017 im Ludwig Forum zu sehen.

zurück Okta Logue & Die höchste Eisenbahn
weiter So waren The Notwist im Zinkhütter Hof!