Raymond Pettibon (bürgerlich Raymond Ginn, * 16. Juni 1957 in Tucson, Arizona) dürfte einigen durch seine Plattencover für Bands wie Sonic Youth und Black Flag bekannt sein. Zugang zur kalifornischen Punkszene hatte er über seinen Bruder Greg Ginn und dessen 1978 gegründetes Label SST Records. Zahlreiche von Pettibons Zeichnungen landeten in der Folge auf Plattencovern, auf Flyern und auf Plakaten. Massenhaft kopiert (im tatsächlichen wie im übertragenen Sinne) wurde so manches seiner Motive zur identitätsstiftenden Stilikone US-amerikanischer Punkästhetik.
Die Maastrichter Ausstellung zeigt mehr als 600 Exponate, anhand derer sich Pettibons Schaffen der letzten 30 Jahre weit über die Ikonographie der Punkbewegung hinaus lesen lässt, die letztlich nur einen Bruchteil des Œuvres ausmacht. Darüber, wie die Show kuratiert ist, kann man streiten. Die Arbeiten sind zu Themenblöcken zusammengefasst. Das verdeutlicht zwar, dass sich Pettibon im Laufe vieler Jahre wiederkehrend mit bestimmten Sujets befasst hat, aber das wäre einem auch bei einer chronologischen Hängung vermutlich nicht entgangen.
Was der Pressetext konziliant als Arbeiten zwischen historischer Reflexion, poetischem Humor und beißender Kritik beschreibt, ist allenthalben ein beherzter Schlag in die Magengrube. Pettibon geht gerne bis an die Schmerzgrenze (und manchmal auch darüber hinaus). Man mag sich seinen latent zynischen Blick nicht zu eigen machen, relevant bleibt, dass er den Finger tief in die Wunde sozialer Ungerechtigkeit und privater Bigotterie legt.
Raymond Pettibon arbeitet in aller Regel mit einer Kombination aus Wort und Bild und zitiert dabei vielfach unterschiedlichste Quellen, wie beispielsweise Literatur, Zeitungsartikel oder Comics. Naturgemäß bleibt für den durchschnittlichen Westeuropäer vieles schwer entschlüsselbar, was Pettibon deliriert oder, wie oben erwähnt, aus der amerikanischen Popkultur und lokalpolitischen Zusammenhängen entleiht. Eine Vorrecherche im Netz ist also unter Umständen hilfreich. Wir stellen in der Onlineversion des Artikels eine Sammlung von Links zur Verfügung. Der Ausstellungskatalog ist mit 75 Euro nicht gerade günstig, stellt jedoch die umfangreichste Kollektion von Pettibons Arbeiten dar, die derzeit für Geld zu haben ist.

„A Pen of All Work“ ist noch bis zum 29.10.2017 im Bonnefantenmuseum in Maastricht zu sehen.
Öffnungszeiten: Di-So, 11:00-17:00 Uhr
Eintritt: 12 Euro, ermäßigt (für Studenten) 6 Euro
www.bonnefanten.nl

 

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