Als Filmland ist Finnland am ehesten durch die Werke der Kaurismäki-Brüder bekannt, wie aber in jeder Nation gibt es hier ein reichhaltiges Angebot jeglicher Genres zu entdecken. Regelmäßige Leser dieser Kolumne wissen, dass der Horrorfilm der alten Schule mein besonderes Steckenpferd ist, und so habe ich zwei Beispiele herausgepickt, die mit leichten Abweichungen dieser Gattung zuzuordnen sind.

Interessanterweise stammen beide aus dem Jahr 1952. „Gefährlich sind die hellen Nächte“ (Noita palaa elämään, Regie: Roland af Hällström) basiert auf einer Vorlage des berühmten Mika Waltari und erzählt die Geschichte eines Archäologen, der nicht schlecht staunt, als er bei Ausgrabungsarbeiten im Wald auf den nackten Körper einer schönen Frau stößt, die scheinbar auch noch lebt. Er hält sie für geistig verwirrt, während die Dorfbewohner ihn eindringlich darauf hinweisen, dass just an dieser Stelle vor 300 Jahren eine Hexe hingerichtet und begraben wurde. Neben stimmungsvollen Bildern und einer unheimlichen Atmosphäre bietet der Film auch für seine Entstehungszeit erstaunlich freizügige Szenen, und die komödiantischen Momente funktionieren ebenfalls heutzutage noch.

Wesentlich melancholischer kommt dagegen „Das weiße Ren“ (Valkoinen peura, Regie: Erik Blomberg) daher: Als ihr Mann nach mehreren Tagen nicht vom Rentier-Hüten zurückkehrt, sieht eine junge Frau in einer einsamen Hütte in der lappländischen Einöde keine andere Alternative, als die schwarze Magie zu bemühen. Die Folge davon ist, dass sie sich in manchen Nächten in ein weißes Rentier verwandelt, in anderen aber ungehemmten Appetit auf Männerblut bekommt. Ist man von unheimlichen Filmen normalerweise gewohnt, dass die meisten Szenen in Dunkelheit spielen, wird hier eindrucksvoll das Gegenteil bewiesen: Die wunderschönen Bilder der kargen schneebedeckten Landschaft erzeugen in ihrer Helligkeit eine einzigartige, eigentümliche Atmosphäre, die sich dem Zuschauer intensiv einprägt. In Finnland ist der Film zu Recht so beliebt, dass er sogar eine eigene Briefmarke bekam.

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