(ehem. Max Graef Band, Money $ex Records, Berlin)

Diese Band bedarf nicht vieler Worte: organisch, jazzig und so modern wie Berlin. Torben Unit (ehem. Max Graef Band) stellen sich mit dem gleichnamigen Album auf Money $ex Records auf einer kleinen Deutschland- und Europatournee vor und machen auch halt in Aachen.

Mit neuem Bandnamen und einer neuen LP setzen sie nochmal neu an. Nachdem die Band das gesamte letzte Jahr getourt ist, haben sie durchgehend an neuen Songs geschrieben, so viele Instrumente wie nur möglich ausprobiert und sich musikalisch ausgetobt. Ihr neues Album ist ein origineller Mix aus verzerrtem Jazz-Rock bis Experimental Soul, Electronic Percussion Workouts bis hin zu Free Sound Experiments und Psychedelic Rock. In einer Zeit wo der typische Berghain- Techno zum weltweit bekannten Markenzeichen-Sound der Stadt geworden ist, ist mit Max Graef ein Protagonist einer „anderen“ Bewegung aus der Hauptstadt zugegen, welche vor allem an die Londoner Musikszene erinnert. Multikulti-Dance, wenn man so will, bei der Einflüsse von Jazz, Funk, Hip-Hop und Reggae eine wichtige Rolle spielen. Das ist die musikalische Welt, in der sich Max Graef und seine Band sich wohlfühlen. So etwas hört man nicht alle Tage – versprochen!

Interview mit Max Graef:

Du warst ja schon diverse Male zu Besuch bei uns in Aachen, teils als DJ, teils mit deiner Band, die damals noch nach dir benannt war. Warum habt ihr euch in Torben Unit umbenannt?
Wir waren so unglücklich mit der ersten Platte. Wir haben irre viel gespielt und geprobt, sodass wir uns relativ schnell weiterentwickelt haben. Ich würde behaupten, es ist eigener geworden – daher ein neuer Name.

Eure Musik klingt „unperfekt“, geprägt durch Einflüsse der Siebziger, Federhall, Jazz, Krautrock. Wie wird eure Musik angenommen? Trash, Abklatsch? Evolution? Erkennt eure Hörerschaft den klaren Bezug zur Musik der 70er und 80er?
Ich denke, obwohl wir viel von alten deutschen Scheiben inspiriert sind, steckt da vor allem viel Eigenes und somit auch Neues drin. Es geht ja bei unseren Sachen viel um die Improvisationen, da entstehen automatisch eigene Sounds und Themen. Ich habe das Gefühl, es wird auch so aufgenommen. Wenn wir mal einen Ton-Steine-Scherben-Song covern, wird das aber auch total gut aufgenommen.

Welche Relevanz hat die Berliner Szene für dich – bezüglich des Bandprojekts und der allgemeinen Prägung deines Musikgeschmacks?
Die Band besteht ausschließlich aus engen Freunden, die ich seit Jahren kenne, insofern spielt das Umfeld natürlich eine große Rolle. Musikalisch inspiriert mich hier eher weniger, glaub ich. Das liegt aber auch daran, dass wir hier unser eigenes Ding machen und wenig in der „Szene“ stattfinden. Sachen wie Wax Treatment oder Wedding Soul sind aber natürlich sehr wichtig und man kann da viel lernen, abgesehen von dem Spaß, den es macht, dort hinzugehen.

Wie sehr ist Techno Hype geworden, wie viele Berghain-Besucher schwimmen mit der Masse? Ist Jazz/Retro auch ein neuer Hype?
Das kann ich dir nicht sagen. Ich hab gar nicht das Gefühl, dass wir mit der Band sooo viel mit Jazz zu tun haben. Partytouristen gehen mir auf den Sack, aber sie sind mir eigentlich auch egal.

Wie siehst du die Entwicklung bei Konzertbesuchen allgemein? Wie viel Nachfrage besteht wirklich?
Es ist nicht leicht mit dem neuen Namen, aber ich finde, es ist relativ gut dafür, dass ich angenommen hatte, es wäre quasi unmöglich, mit einer relativ unbekannten Band zu touren. Die Leute haben schon nach wie vor Lust auf Live-Musik.

Als Hendrix anfing, war er noch Untergrund, durch die Hippies wurde er berühmt. Wäre das heute noch einmal zu bewerkstelligen? Funktioniert das nur noch über den medialen Hype oder geht das auch noch über die Musik?
Ich würde gerne komplett auf diesen Internetmist verzichten, aber ein bisschen ist das schon notwendig. Ich habe aber zum Beispiel gemerkt, dass das Torben-Unit-Album echt super ankam – ohne große Promo und viele Posts und Instagram. Ich denke, wenn etwas wirklich gut ist und mit Herzblut gemacht ist, kommt es früher oder später bei den Leuten an.

Warum verzichtest du auf die mediale Selbstinszenierung? Macht eure Coolness aus, dass ihr euch gegen das Herkömmliche stellt?
Ich hab keine Lust drauf und halte auch diese Informationsüberflutung für destruktiv. Wenn man, wie Twit One zu sagen pflegt, „Akzente setzt“, geht man den Leuten nicht so auf den Sack, aber kann trotzdem seine Musik an den Mann bringen.

Was steht an Releases und Tourdaten an? Worauf freut ihr euch am meisten?
Aachen natürlich. Ist aber auch einer der wenigen geplanten Gigs momentan.

TORBEN UNIT | Konzert, 16.07., 21:00 Uhr – Musikbunker

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