GB/IND 2017 | Regie: Gurinder Chadha, Darsteller: Gillian Anderson, Michael Gambon, Hugh Bonneville, 106 Min., Start: 10.08.
„Die Geschichte schreiben immer die Sieger“ – das Zitat, das Regisseurin Gurinder Chadha ihrer Nacherzählung der historischen Ereignisse um die Unabhängigkeit Indiens voranstellt, gibt stets nur einen Teil der Wahrheit wieder. Die Geschichte wird immer auch vom Volk geschrieben, und das gehört nur selten zu den Gewinnern. Als der Vizekönig Lord Mountbatten und seine Frau 1947 nach Indien kommen, fällt ihnen die unrühmliche Aufgabe zu, das Land nicht nur in die Unabhängigkeit, sondern schließlich auch in die Teilung zu führen. Die Unruhen zwischen Moslems und Hindus sollen mit der Gründung des souveränen Staates Pakistan beruhigt werden. Doch was auf dem Papier nach einer sinnvollen Idee aussieht, hat verheerende Auswirkungen auf die Leben der Menschen. So auch auf das junge Liebespaar Aalia und Jeet, die gemeinsam aufwuchsen und sich am Hofe Mountbattens wieder über den Weg laufen. Aalia ist zwischenzeitlich einem anderen versprochen. Sie ist Muslimin, Jeet Hindu, ihre Liebe unmöglich. Doch Jeet hält daran fest, auch als die Unruhen eskalieren und die Kluft zwischen den Menschen nicht mehr überwindbar scheint. Die britische Regisseurin Gurinder Chadha verwob ihre indischen Wurzeln stets mit der Kultur des Empire. Allerdings erzählte sie ihre Geschichten bisher in der Gegenwart. In „Kick it like Beckham“ oder „Frontalknutschen“ porträtierte sie die Nöte heranwachsender Frauen zwischen den Kulturen. Mit „Der Stern von Indien“ wagt sie sich nun an ein historisches Sujet und verleiht ihm eine ganz eigene indische Note. Das reich ausgestattete und exquisit gefilmte Liebesdrama spielt sich vor der Kulisse einer historischen Begebenheit ab, die in Vergessenheit geraten ist. Der Mountbatten-Plan mag einigen noch in Erinnerung sein, welche schicksalhafte Tragweite er hatte, ist aber weitgehend unbekannt. Chadha bildet die Geschehnisse in ihrem hochemotionalen Drama ab und kann dabei auf ein hervorragendes Ensemble bauen, aus dem Hugh Bonneville („Downton Abbey“) und Gillian Anderson („Last King of Scotland“) als Lord und Lady Mountbatten herausstechen.

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