Die wunderbare Filmwelt des Bruno Sukrow

Bruno Sukrow wurde 1927 in Berlin geboren und lebte die meiste Zeit seines Lebens als Maschinenschlosser in Stolberg. Nach dem Tode seiner Frau begann er im Jahre 2010 mit dem iClone-Programm, dessen Figuren an „Second Life“ erinnern, animierte Filme am Computer herzustellen. Dabei ließ er sich von Pulp-Romanen und Lieblingsfilmen seiner Jugend inspirieren und fügte eine große Menge seines einzigartiges Humors hinzu. Die Filme wurden zunächst nur im Familienkreis aufgeführt und komplett von ihm selbst vertont, bald erweiterte sich das Publikum und die Sprecher aber um den Freundeskreis seines Sohns Robert und durch erste Rezensionen im Internet wurden die Filme auch außerhalb Aachens bekannt. Der Filmjournalist und glühende Sukrow-Verehrer Olaf Möller konnte dann „Anna“ 2015 im Programm des Filmfestivals von Rotterdam unterbringen und es folgten weitere Festival-Aufführungen in Köln, Nürnberg, Madrid, Peru, Sibirien, Kroatien und Serbien. Am 12. August wird Bruno Sukrow 90 Jahre alt und zu diesem Anlass traf ich ihn für ein Gespräch, sein Sohn Robert und Kollegin Silvia Szymanski waren ebenfalls anwesend. Ich sah mich leider außerstande, seinen wundervollen Dialekt – zum Berlinerischen haben sich in den Jahrzehnten, die er im Rheinland wohnte, entsprechende Klangfärbungen hinzugefügt – adäquat in Schrift zu übertragen und habe daher schändlicherweise auf Hochdeutsch geglättet.


Meine Filme, was darin vorkommt, hat es nie gegeben und wird es nie geben, und deswegen kann ich lügen, soviel wie ich will, es stimmt immer. Da kommen auch meine Einfälle her, weil ich an und für sich machen kann, was ich will, es stimmt ja nix. Ich mach die Filme, weil ich nichts anderes mehr machen kann. Es ist nicht unbedingt das, was ich machen wollte, du weißt, ich hab früher gemalt, ich hab Geschichten geschrieben, Gedichte geschrieben (zeigt Gedichtband) – das, was hier draufsteht, kannst du auch für die Filme nehmen: „Alles gelogen“! Damit es nicht nachher irgendwie heißt, na, das gibt es doch gar nicht, oder so.

Du deckst in deinen Filmen alle erdenklichen Genres ab, von Abenteuer über Western bis hin zu Horror und Science-Fiction. Hast du ein Lieblingsthema?
An und für sich habe ich festgestellt, dass ich gerne im Dschungel hantiere, weil ich da technisch andere Bilder schaffen kann. In der Stadt hast du immer die Häuser, und im Dschungel kannst du andere Effekte nutzen, alleine, wenn Wasser fließt, da lebt das Bild, ansonsten hast du eine Straße, kommt ein Auto, ansonsten ist die Straße tot. Bei den Filmen versucht man ja immer, Bewegung hinzukriegen.

Du arbeitest mit dem Programm iClone, hast aber keine Englischkenntnisse?
Das Programm kann natürlich wesentlich mehr wie ich, das ist ein Problem. Wenn ich alles das könnte, was das Programm kann, dann könnte ich auch sagen: So ist das Leben! Ist nicht alles gelogen. Die Filme werden schon realistischer, das liegt am Sechser (iClone 6), dass man jetzt mit Licht arbeiten kann, das ist ein großer Vorteil, beim Fünfer konntest du mit Licht nicht arbeiten. Letztens hatte ich ein Zimmer heruntergeladen von iClone und war da eine Szene am Machen von Nacht, ich kriegte das Zimmer nicht dunkel. Musste das Zimmer aber dunkel haben, weil in der Nacht was am Fenster erscheint. Weißt du, was ich gemacht habe? Ich habe ein Brett vor die Szene gemacht, das Brett schwarz gemacht und dann auf Transparenz geklickt. Dann kann ich zwar das Licht nicht steuern, das wird weder hell noch dunkel, aber ich habe zumindest in dem Zimmer Nacht.

Deine neueren Filme sehen technisch auch immer versierter aus.
Ja, man wird nicht dümmer am Rechner. Man probiert vieles, ich sitze ja manchmal die halbe Nacht dran, wenn ich mir was in den Kopf setze und weiß, das muss gehen! Da habe ich schon viele Sachen hingekriegt, die ich zuerst nicht für möglich gehalten habe, aber im Film fällt es kaum auf, das huscht in Sekunden vorbei. Wie die Sache mit dem dunklen Zimmer … Eine andere Sache, die Frau in „Das dunkle Schweigen“, das war eine Tote! Die Frau hatte die Augen zu. Ich hab die Augen nicht aufgekriegt, die musste ich dann einsetzen, die war ja tot, die Frau. Oder Dave Domino in „Nach Mitternacht“, der geht, als wenn er ein Brett im Hintern hat, du bekamst da keinen richtigen Gang rein. Wenn du die Sachen kaufst, weißt du das nicht. Bei den Rittern hatte ich das Hauptproblem, da konntest du kaum was mit anfangen, deswegen habe ich auch nur einen Ritterfilm gemacht, die kommen mich nicht mehr ins Gehege. Waren auch ziemlich teuer.

Der Stern von Rio, 2013

Dein Ritterfilm „Im Namen des Königs“ ist aber sehr beliebt, er ist einer deiner witzigsten. Da gibt es ja auch wieder eine Waschszene, wie in vielen deiner Filme …
Das wollen die Leute halt sehen. Bei „Die Ratte“ ist da noch mehr drin, der ist nicht jugendfrei. Aber du bist ja schon 18. (lacht) Das andere ist ja alles noch harmlos, wenn du mal einen nackten Hintern siehst …

Du hast mit 70 gesagt, du wärst zu alt für einen Computer, und mit 74 hattest du einen.
Da habe ich anfangs die ganzen Karten gemacht, wenn einer mal Geburtstagskarten oder sowas brauchte. Dann kamen welche an mit alten verkratzten Bildern, da habe ich die Kratzer weggemacht, mit Photoshop kein Problem. Ich habe vorher auch schon auf Video gefilmt, die ersten Filmbearbeitungen, da musstest du noch zwei Rekorder haben, sonst konntest du nicht mischen, war alles noch wahnsinnig teuer … da habe ich aber mehr wie 50 Filme gedreht. (lacht) An die ganzen Eifel-Filme erinnere ich mich, wenn ich mal ein Eichhörnchen erwischt habe oder einen Specht, der am Baum klopft, da war ich schon high. Später kamen dann die Schnittprogramme am Computer, eine Bekannte meiner Frau wollte immer, wenn sie vorbeikam, einen Film sehen, und ich hatte einen, der hieß „In Stolberg ist Musike“ mit Blasmusik und dem ganzen Zeug, da fing die an zu heulen: „Ach, was für schöne Musik!“ – Das war dann schon ein Erfolgserlebnis, ich war ja bescheiden.

Du feilst jetzt auch mehr an den Filmen, und sie werden auch länger.
Ja, beim letzten habe ich mir vorgenommen, der muss 90 Minuten werden – kriegste nicht hin. Oder du musst endlose Fahrten nehmen – habe gestern Abend einen Wildwestfilm gesehen, weiß nicht mehr, wie er hieß, habe ich nachher abgeschaltet, die machen es sich einfach! Wenn da einer reitet, dann siehst du den von oben, dann siehst du ihn von hinten, von vorne, siehst ihn auf dem Gaul hängen, die machen aus so einem Ritt wirklich einen Minutenclip, das kann ich ja nicht machen!

In einem älteren Interview sagtest du, „Am Ende des Weges“ sei von deinen Filmen dein Lieblingsfilm, ist das immer noch so?
Ja. Das ist aber wahrscheinlich nicht der Film, das ist die Story. Der ist an die Wirklichkeit angepasst, das ist der einzigste, wo nicht alles gelogen ist. Du hast mich mal gefragt, welchen meiner Filme ich mir als richtigen Film vorstellen kann, da habe ich auch gesagt, „Am Ende des Weges“. Dass einer die Tochter von die Frau findet, die er dreimal in Vietnam begegnet ist, das fand ich so toll. Und vor allen Dingen ist mir bei dem Film aufgefallen – wenn der zu Ende war, da hatten sie alle Tränen in den Augen. Der hat wirklich Substanz, das ist, was mir an dem Film gefällt, dass mal eine Idee da war, so könnte es gewesen sein, das ist bei den anderen Sachen nicht der Fall.

Früher hast du gern Pat und Patachon geguckt.
Ja, so Slapstick – die Figuren kannst du kaufen, aber so ein Kasperltheater liegt mir nicht, wenn die da in Regentonnen fallen … schätze, mein aktueller Film wird wohl wieder was, 13 Minuten sind schon fertig.


Und der aktuelle Film „Haus der Angst“ ist bereits der 50. Animationsfilm, den Bruno Sukrow seit 2010 fertiggestellt hat. Wir wünschen alles Gute zum Geburtstag und hoffen, dass uns dieses außergewöhnliche Talent noch lange erhalten bleibt! Wer in das einzigartige Universum des Filmemachers hineinstoßen will, findet zwei seiner Kurzfilme auf seinem YouTube-Channel „B.S. Video“. Es finden auch regelmäßig Screenings an verschiedenen Aachener Locations statt.

Foto: Stefan Keller

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