Die Emanzipation der Frau ist – wieder einmal – ein heiß diskutiertes Thema. Feminismus sorgt nicht erst seit (vermeintlichen) Galionsfiguren wie Lena Dunham für Gesprächsstoff. Dennoch scheint der aktuelle Zeitgeist dem Inhalt seine Peaktime einzuräumen, sodass sogar renommierte Brands mit Aufschriften wie „The force is female“ oder „Girls are awesome“ werben. Besonders im Musikgeschehen macht sich dieser frische Wind bemerkbar, denn dem sonst so männerdominierten Musikgenre Rap und Hip Hop wird jetzt durch Female MCs Konkurrenz gemacht.

Was als reine Ausbeute der Major Labels begann, entwickelte sich zur wilden Underground-Bewegung mit etlichen Independentkünstlerinnen, die ihren Kampf nach oben alleine kuratieren, anstatt sich für große Konzerne und viel Geld zu verkaufen. Dazu gehört nicht nur ein endlos langer Atem. Neben der selbst produzierten Musik zählen auch Selbstvermarktung, eigens organisierte Touren und eine Riesenportion Glück dazu. Auffällig: Egal wo man hinsieht, findet man talentierte Female MCs! Ob Großbritannien, Amerika, Deutschland, Frankreich, Schweden, Afrika oder Südamerika – die Szene blüht und weiß einen täglich im World Wide Web mit neuen Talenten und zukünftigen Popstars zu überfluten. Um nicht mit einem endlosen Namedropping zu überfordern, haben wir uns ein paar Rohdiamanten herausgepickt und werden diese im Folgenden vorstellen.

Tommy Genesis

Die Kanadierin mit der Lolita-Attitüde wurde nicht nur von einem der hipsten Rapper überhaupt entdeckt (Father), sondern veröffentlichte auch gleich ihr Debütalbum auf seinem Label Awful Records. Ihren Style beschreibt sie selbstbewusst als Art Rap, da ihre Musik keiner wirklichen Leitstruktur zu folgen scheint und stark durch ihre Vergangenheit im Punk beeinflusst ist.

Gnučči

Die DIY-Popkanone aus Schweden sieht sich selbst als deine „beste feministische Freundin“ und lässt sich mit Inbrunst in ausschweifende politische Diskussionen verwickeln – sich zu engagieren ist für sie völlig selbstverständlich. Dabei setzt die authentische Sängerin auf Offenheit, positive Energie und die Blüte ihrer weiblichen Kraft. Rap und Hip Hop werden frech mit House, Bass und Balkanelementen vermischt, um pumpende Technicolor-Pophymnen zu kreieren, die sie vom Rest des Girl-Rap-Business abheben. Gnučči wird Aachen am 4. August im Musikbunker beehren, wo sie eine ihrer explosiven Clubshows geben wird.

Princess Nokia

Explosiver geht nicht mehr! Die Rapperin straight outta NYC gibt nicht nur gerne feministische Lektüren mit ihrem „Smart Girls Club“ via Soundcloud, sondern fällt auch mal durch temperamentvolle Kurzschlussreaktionen auf. Ein wildes Herz und ein freier Geist machen Princess Nokia zum tollkühnen Vorbild für viele Mädchen weltweit. Nebenbei lehnte der selbst gemachte Rapstar Dutzende Plattendeals ab, da ihre eigene Authentizität oberstes Gebot bleiben soll. You go, girl!

Haiyti aka Robbery

Von der Studentin zum Superstar: Haiyti aus Hamburg ist vielleicht die einzige Frau im deutschen Rapbusiness, die nicht auf „Sex sells“ setzt, sondern mit Emo-Rap ihren ganz eigenen Style gefunden hat. Der ist verdammt ehrlich, teilweise extrem brachial und für einige vielleicht auch erst einmal gewöhnungsbedürftig. Dennoch bleibt der verquere Sound im Ohr und heimste ihr prominente Plätze in den Jahrescharts renommierter Musikmagazine ein.

 

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