JO/NL/D 2016 | Regie: Mahmoud al Massad | Darsteller: Ahmad Thaher, Maher Khammash, Odai Hijazi, 83 Min., Start: 17.08.
Mahmoud al Massad inszenierte mit seiner schlitzohrigen Komödie „Gelobt sei der kleine Betrüger“ eine seltsame Liebeserklärung an seine Heimat und ihre Bewohner. Sein Jordanien ist eine von Korruption durchdrungene Gesellschaft, in der jeder irgendwie versucht durchzukommen. Die einen landen in hohen politischen Ämtern, obwohl sie eigentlich Elektriker werden wollten, die anderen im Knast. Ahmad hat irgendwie die Übersicht verloren in der Geschäftskette, die er unter der Hand betreibt. Der Bauunternehmer steht in der Schuld eines Lieferanten. Das Geld sollte sein Cousin liefern, der es allerdings in kanadische Laptops investiert hat, die im Zoll feststecken. So kommt es, wie es kommen muss: Ahmad ist zahlungsunfähig und landet im Gefängnis. Jegliche Beteuerungen helfen nicht, dafür aber ein Scheinchen hier und da, um die Haftbedingungen zu verbessern. Hinter Gittern findet er sich in einer Männergemeinschaft wieder, deren Treiben er bald durchschaut und dem er amüsiert zusieht. Die Randfiguren wachsen einem dabei ebenso ans Herz wie der zahnlos grinsende Protagonist. Verkörpert wird er von dem Laien Ahmad Thaher, dessen Geschichte den Plot inspirierte. Massads Herkunft vom Dokumentarfilm ist deutlich. Die Bilder sind von roher Schönheit, die Erzählung ist auf das Wesentliche reduziert. Das von der Berliner Twenty Twenty Vision koproduzierte Spielfilmdebüt ist ein erfrischend anderer Knastfilm, eine schwarzhumorige menschliche Komödie.

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