Das ist unser Land!


F/B 2017 / R: Lucas Belvaux / D: Émilie Dequenne, André Dussollier, Catherine Jacob, Guillaume Gouix / 117 min
Die Grande Nation schläft noch, als sich Pauline Duhez auf den Weg zur Arbeit macht. Als Krankenschwester im ambulanten Pflegedienst ist sie immer auf Achse. Als allein erziehende Mutter bleibt ihr keine Zeit für sich. Aber sie kann sich glücklich schätzen: Immerhin hat sie einen Job, keine Selbstverständlichkeit hier in Hénart, im Norden Frankreichs. Ihre Klienten klagen täglich ihr Leid über die sozialen Zustände. Gerade hat Pauline den Tod einer alten Dame gemeldet, noch in der Nacht raubt man deren Wohnung aus. Die Schuldigen sind in den Augen der Anwohner schnell gefunden: Migranten, die in einer Wohnsiedlung am Stadtrand leben. Auch hier geht Pauline ein und aus mit den Eindrücken der dortigen Lebensumstände. In ihr wächst der Wunsch, etwas zu ändern. Dennoch zögert sie, als der Arzt Dr. Berthier, ein langjähriger Freund der Familie, vorschlägt, sie solle für die rechtspopulistische Partei RNP kandidieren. Als Bürgermeisterin würde Pauline die Vorsitzende der Partei Agnès Dorgelle in Hénart vertreten. Schließlich erliegt sie dem Reiz der Macht und dem Zuspruch ihres Umfelds und geht den Pakt mit dem Teufel ein. Lucas Belvaux liefert den Film zur Lage der Nation. Im Gegensatz zu den inflationären Migrationskomödien, die in letzter Zeit im Kino ankommen, ist es dem belgischen Regisseur aber auffallend ernst. Er nimmt sich viel Zeit, die Situation in der Kommune zu schildern, entwickelt Verständnis für die Nöte der Bürger und er zeigt, wie sich eine rechte Partei unter dem Deckmantel der Volksstimme an den Sorgen und Ängsten nährt und die Stimmung in der Gesellschaft kippt. Seine Hauptdarstellerin Èmilie Dequenne liefert mit ihrer Darstellung der sympathischen Pauline eine Identifikationsfigur. Ein beängstigender, wichtiger Film – für Frankreich ebenso wie für andere Länder, in denen die Demokratie vom Aussterben bedroht ist.

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