USA 2017 | Regie: Valeska Grisebach, Darsteller: Meinhard Neumann, Reinhardt Wetrek, Viara Borisova, Veneta Fragnova, Detlef Schaich, Start: 24.08.
Mit „Sehnsucht“ etablierte sich Valeska Grisebach als Teil der sogenannten Berliner Schule, deren Vertreter Alltagsbeobachtungen mit einer strengen formalen Gestaltung verbinden. In der Dekade seit der Premiere von „Sehnsucht“ hat sich die Stilrichtung zaghaft dem Genrekino angenähert, worauf schon der Titel des neuen Grisebach-Films verweist: „Western“. Grisebach nutzt Western-Archetypen für eine präzise Annäherung an Männlichkeit und Hierarchien, Sprachbarrieren und Nationalismus. Ein deutscher Arbeitertrupp, die Vorhut für den Bau eines Wasserkraftwerks, erreicht das bulgarische Hinterland. Kaum angekommen, geraten der schweigsame Meinhard (eine Wucht: Meinhard Neumann) und der ungehobelte Vorarbeiter Vincent (Reinhardt Wetrek) aneinander. Vincent fühlt sich den Rumänen als Deutscher überlegen, Meinhard zähmt ein Pferd und freundet sich trotz fehlender Sprachkenntnisse mit den Fremden an. Die Bauarbeiten stocken: Es fehlt an Wasser, eine Kieslieferung bleibt aus. Wie lange, bis das Fass überläuft? Grisebach reduziert ihren Film auf das Wesentliche. Es gibt keine Musik, die Bilder wirken dokumentarisch, die Montage und der Erzählrhythmus fallen sehr behutsam aus. Die dennoch reichlich vorhandene Spannung entsteht aus den Interaktionen der Figuren, die treffsicher mit Laien besetzt wurden.

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