Zur kommenden Spielzeit werden vier Neuzugänge das Ensemble des Theater Aachen bereichern. Wir durften vor den Theaterferien mit Alexander Wanat (25) einen hochmotivierten und nicht minder talentierten Nachwuchsschauspieler vorab kennenlernen. Zum Auftakt wird er als der junge Werther in der Kammer zu sehen sein.

Alexander Wanat entschuldigt sich im Laufe des Gesprächs ein paar Mal. Es ist ihm unangenehm, darauf angesprochen zu werden, wie viel er kann. Aber wer sich seine Vita anschaut, kommt nicht umhin zu bemerken, dass er einiges anzubieten hat. Neben Bass Guitar, E-Gitarre und Gitarre spielt er als Sohn zweier Berufsmusiker Klavier, Ukulele, Violoncello und Keyboard. Etwa ebenso umfangreich sind seine Tanz- und Gesangskenntnisse und die Palette der Sportarten, die er auszuüben vermag.

Der zweisprachig (Deutsch/Polnisch) in Düsseldorf aufgewachsene Einserschüler hatte während der Schulzeit noch gar nicht daran gedacht, seine musischen Fähigkeiten in einen kreativen Beruf einfließen zu lassen, und bereitete sich eigentlich auf ein Medizinstudium vor. Durch seine zwei Jahre ältere Schwester, die in einem Improtheater-Jugendclub spielte, kam er mit dem Theater in Berührung und fing schnell Feuer: „Da waren plötzlich offene, denkende Menschen, die ich immer wieder sehen wollte“, erzählt er von dieser Zeit.
Im vorletzten Schuljahr schloss er sich der Theatergruppe an und korrigierte ein halbes Jahr vor dem Abitur seinen Berufswunsch in Richtung Schauspiel. Nach dem Schulabschluss bewarb er sich bei zehn Schauspielschulen und kam bei sechsen bis in die Endrunde. Nach einem kurzen Zwischenstopp an der Schauspielschule in Zürich wechselte er nach Berlin, wo er als einer von 1.000 Bewerbern auf 24 Plätze an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ angenommen wurde.

Die Ernst-Busch-Schule gilt als eine der großen Kaderschmieden in Deutschland und hat so viele bekannte Schauspieler hervorgebracht, dass man diesem Artikel eine Seite hinzufügen müsste, um sie aufzuzählen. Genannt seien hier deshalb stellvertretend lediglich Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Karoline Herfurth, Henry Hübchen und Sandra Hüller. Damit befindet sich Alexander Wanat durchaus in illustrer Gesellschaft.

Während der vierjährigen Studienzeit hat Wanat seine Kenntnisse weiter ausgebaut. Dass Schauspieler tanzen und singen können müssen, gehöre dazu, erklärt er. Er jedenfalls freue sich sehr darauf, beides auf der Bühne zu tun. Erste Berufserfahrungen hat Wanat bereits gesammelt. In Berlin spielte er in „Faust I“ und „II“, in Braunschweig war er in drei Stücken zu sehen, bei dem Stück „Die Gerechten“ am bat Berlin hatte er zusätzlich die musikalische Leitung inne.

Nach Aachen ist er durch ein Vorsprechen gekommen. Nach vier Jahren Studium fahren die angehenden Schauspieler zu ein paar großen Sichtungen nach Berlin, München und Neuss. In Neuss war jemand vom Theater Aachen vor Ort und wurde auf Alexander Wanat aufmerksam. Wanat wurde zum Vorspiel eingeladen und bekam ein Jobangebot für zwei Jahre. Ein anderes Theater wollte ihn ebenfalls haben, Alexander Wanat entschied sich jedoch für die Kaiserstadt: „Dramaturgin Inge Zeppenfeld hat mir direkt viele Stücke und viel Arbeit angeboten. Hier kann ich mich freispielen“, freut er sich auf die neue Herausforderung.
Am Theaterspielen schätzt er die Unmittelbarkeit der Aufführungssituation. „Jede Geschichte wird nur einmal erzählt und man hat nur eine einzige Chance, das Publikum des Abends zu überzeugen.“ Außerdem interagiere er gerne mit dem Publikum, spielt mit den Reaktionen.
Seine erste Rolle am Theater Aachen wird dazu Möglichkeiten bieten: „Ein wahnsinnig interessanter Stoff – ich werde an einigen Stellen in die Konfrontation mit dem Zuschauer gehen“, so Wanat, der gerade dabei ist, seine 22 Seiten Text zu lernen und sich intensiv damit auseinanderzusetzen.

Jede Rolle empfinde er als große Bereicherung und hat laut eigenen Angaben immer wahnsinnig gute Laune nach einer Aufführung, egal ob Drama oder nicht: „Es ist ja nur ein Spiel, ich habe mich ja nicht wirklich umgebracht.“ Ein Theaterstück sei für ihn wie eine Wanderung, „und dann setzt man sich auf die Hütte mit einem Bierchen“.

Theater Aachen – Kammer | Spielstätte des Theaters Aachen, Theaterplatz, 52062 Aachen

Die Leiden des jungen Werther
Nach dem Briefroman von Johann Wolfgang von Goethe
Ab dem 29. September 2017

Inszenierung Nick Hartnagel, Bühne und Kostüme Yassu Yabara, Musik Malcolm Kemp
Mit Luana Bellinghausen, Alexander Wanat, Bürgerchor der Stadt Aachen

zurück Endspiel um den Würselener Wall
weiter Wie die Gärten nach Aachen kamen