Beim Konzert einer Band, die seit 1989 bzw. 1991 von sich reden macht, muss es niemanden wundern, wenn sich dann 2017 im Kurpark Aachen in erster Linie Menschen um die 40 im Publikum tummeln. Ob das nur mit dem Fanta-Gründungsjahr oder auch mit den Sponsoren der Veranstaltung (WDR2, Porsche, …) zusammenhängt, sei dahingestellt – in jedem Fall finden sich an diesem lauschigen und Aachen-untypisch regenfreien Abend 8.000 Menschen vor der Kurpark Classix-Bühne ein, um die vier Herren aus Stuttgart zu sehen. Besagte Bühne ist in diesem Jahr übrigens etwas Besonderes, zumindest für Aachener Verhältnisse: Extra für die Fantastischen Vier musste ein größeres Exemplar her als bisher, weil deren Lichtshow zu schwer für die klassische Rundbogenbühne gewesen wäre. Bevor diese dann die Bühne betreten, gibt sich Support Niko Haug alias Sorgenkind die größte Mühe, das Aachener Publikum entsprechend anzuheizen – mehr oder weniger erfolgreich, was nicht unbedingt an der Show des Rappers liegt. Er ist seit 10 Jahren unter anderem in der Rapbattleszene aktiv und beschallt den Kurpark entsprechend mit guten Rhymes. Diese gehen leider desöfteren in diffusem Bassrauschen unter, was eher seinem Tontechniker zuzuschreiben ist.

In der Pause zwischen Support und Hauptshow dann (neben der ja wirklich absolut exorbitant großen Bühne) das Gesprächsthema Nummer zwei an diesem Abend: Die Getränkeversorgung. Nach ausführlicher Recherche lässt sich dahingehend tatsächlich ein gewisses Defizit feststellen, das sich vielleicht am besten in Zahlen ausdrücken lässt: Rund 50 Menschen warten, jeweils mindestens 20 Minuten, auf ein Bier. Drei Menschen stehen im Getränkewagen und zapfen. Gezapfte Bier pro Minute: Gefühlt eins.

Nichtsdestotrotz: Zeit für „Vier und Jetzt“. Die Best-Of-Show der Deutschrapgrößen wird eröffnet von ihrem Special Guest: ESKEI83. Dieser unterstützt die Band bei diversen neuen und auch älteren Stücken mit neuen Sounds und macht das ganz ordentlich, vor allen Dingen bekommt die Show dadurch ein durchweg elektronisches Gewand, das so manchem Zuschauer sicherlich zu viel der Neuerung und zu wenig der 90er-Jahre-Dröhnung sein mag. Eigentlich überflüssig zu erwähnen: Die Jungs sind gut drauf, powern durch und arbeiten hoch professionell. Zwischen den Songs (und den Zeilen) gibt es hier und da Seitenhiebe für das Aachener Publikum, allerdings verdient: Von 8.000 Menschen feiern gefühlte 800 das immerhin 25-jährige Bandjubiläum wirklich exzessiv mit. Dieses wiederum hätte sich in der Setlist der Show definitiv besser niederschlagen können, zwar gibt es die ganz großen Hits („Die da“, „Ernten was wir säen“, „MfG“, „Gebt uns ruhig die Schuld“, „Troy“, „Tag am Meer“, …) aber für ein rundum fanta-fantastisches Gefühl wären sicherlich noch ganz frühe Stücke wie „Lass die Sonne rein“ oder „Zu geil für diese Welt“ hilfreich gewesen.
Und trotzdem: Wer nach 25 (inzwischen ja sogar 28 Jahren) noch derartig energetisch auf der Bühne rumhüpft und dann auch noch eine derartig konstant gute Leistung erbringt, hat vermutlich eben einfach verdammt Spaß an dem was er tut. Es war wie immer eine Freude, liebe Fantas.

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