Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt


D 2017 | Regie: Arne Feldhusen Darsteller: Charly Hübner, Annika Meier, Detlev Buck, Marc Hosemann, Bjarne Mädel | 111 Min., Start: 31.08.17
Karl Schmidt (Charly Hübner) hat sein Leben eigentlich wieder im Griff. Nach psychisch labilen Phasen, die ihn letztlich zuerst in die Psychiatrie und anschließend in eine (Anti-)Drogen-WG gebracht haben meistert er seinen Alltag soweit zufriedenstellend. Eines Tages trifft er bei einem Eiscafé-Besuch auf seinen Freund Raimund (Marc Hosemann) aus Techno-Zeiten. Dieser erzählt Karl vom Musiklabel Bumm Bumm Records, das er sich gemeinsam mit Partner Ferdi (Detlev Buck) erfolgreich aufgebaut hat. Kurz darauf erfährt Karl, dass er wenige Tage später seinen Jahresurlaub von der sozialen Einrichtung nehmen soll, in der er lebt. Sozialarbeiter und WG-Betreuer Werner (Bjarne Mädel) hat einen Kuraufenthalt in der Lünerburger Heide organisiert und erwartet von Karl den Antritt desselben. Allerdings sorgt eine weitere Kontaktaufnahme seitens Raimund inklusive einer Einladung nach Berlin dafür, dass Karl hinter dem Rücken seines Betreuers seine Urlaubspläne kurzerhand durch einen Besuch bei Bumm Bumm Records ersetzt. Dort angekommen stellt sich heraus, dass Ferdi Karl ein Angebot unterbreiten will: Eine DJ-Bus-Tour durch Deutschland, um Künstler des Labels zu promoten, und Karl soll, da zwangsläufig nüchtern, zurechnungsfähig und fahrtüchtig, als Aufpasser fungieren …
Wer Arne Feldhusen-Produktionen kennt, der weiß: Viel los ist da nicht. So sucht man auch im neuesten Streich des Schleswig-Holsteiners vergebens nach der großen Geschichte und dem aufwendig inszenierten, komplexen Szenario. Eine Horde durchgeknallter, zugedröhnter Technoheads begibt sich auf eine Bustour quer durch Deutschland. Kleine Liebesgeschichte hier, nette Musik da, insgesamt gibt es allerdings inhaltlich nicht viel mehr zu berichten – und hier kommt die Kunst von Drehbuch- und Romanvorlagenautor Sven Regener und Regisseur Feldhusen zum Vorschein: Die kleinen Situationen, die dummdämlichen Alltagswitzchen und die Kombination der verschiedenen, zum niederknien lustigen Gesichtsausdrücke der durchweg genial besetzten Charaktere (allen vorweg der großartige Jan-Peter Kampwirth, der mit seinem Silberblick deluxe sogar Bjarne Mädel als Öko-Öhi die Show stiehlt) machen den Charme aus. Locker-leicht, trocken und ironisch erzählt macht der Pseudo-Roadmovie mit 90er-Bumm-Bumm letztlich einfach Spaß und ist perfekt für den Samstagabend nach dem Freitagsrave.

Im Apollo Aachen ist der Film noch bis einschließlich 13.09.17 zu sehen.

(Nicht nur) für alle 90s-Techno-Freunde lohnt sich übrigens ein Blick auf den Soundtrack zum Film, zum Beispiel in Form der Soundtrack-Playlist bei Spotify (zusammengestellt von den Kollegen der Intro).

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