Nach dem ich eine gefühlte Ewigkeit das weiße Blatt auf meinem virtuellen Schreibtisch gedankenverloren angestarrt und die Spiegelung der Außenwelt sowie das Blinken des Eingabezeigers eingehend analysiert habe, sollte ich doch langsam mit der Rezension beginnen. Die Schwierigkeit ist, dieser Text darf, kann keine ordentliche Rezension werden, denn was sollten die Zuschauer erfahren, sei es auch nur einen kleinen Hinweis oder eine Warnung, wenn nicht einmal der vortragende Schauspieler weiß, was auf ihn zukommt.

Mehr oder weniger feierlich überreicht man dem ahnungslosen Darsteller ein verschlossenes Kuvert, woraufhin er sich tollkühn in die gefährlichen Tiefen der Improvisation stürzen muss.
Ein gewagtes Experiment, das erfolgreich um die Welt gereicht wird und dem sich bereits Größen wie John Hurt und Whoopi Goldberg ausgesetzt haben.

Manipulation, Gehorsam, Zeit, die Kraft des geschriebenen Wortes – das sind nur einige der Themen, die Autor Nassim Soleimanpour, leider etwas überambitioniert didaktisch, in seinem Stück verarbeitet. Spannende Gedanken, die sich jedoch aufgrund ihrer Vielzahl weigern, sich zu einem Ganzen zusammenzufügen. Da sind die kleinen Einlagen, die zur Bespaßung des Publikums angelegt sind, fast schon eine willkommene Abwechslung. Aber auch nur fast, denn natürlich hatte Soleimanpour auch damit Tieferes im Sinn.

Zugegeben, ich habe mich in diesem konfusen Durcheinander von Tiefsinn und Comedy etwas verloren. Vielleicht ist es genau das, was dieses einzigartige Bühnenabenteuer bewirken will. Vielleicht aber auch nicht. Hingehen und herausfinden!

Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen
Theaterstück von Nassim Soleimanpour | Theater Aachen (Mörgens)

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