Kunst x Kuba. Zeitgenössische Positionen seit 1989


Nach dem Eröffnungswochenende im September mit seinem ambitionierten Veranstaltungskanon spricht jetzt nur noch die (bildende) Kunst im Ludwig Forum. Die Reste einer Performance (vier Säcke Zement?) zieren noch als schöner Nachhall die Mulde, die ansonsten unbespielt bleibt. Sollte es sich bei dem Baustoff wider Erwarten doch um Kunst handeln, schreibe ich im nächsten Heft eine Richtigstellung.

Andreas Beitin und Antonio Eligio (Tonel) stecken einen Parcours ab, den man zu durchlaufen hat, und widerstehen zunächst einmal der Versuchung, gleich mit den spektakulärsten Arbeiten zu protzen. Umso schöner, wenn man später zu den monumentalen Bildern von Alejandro Campins und dem pochenden Herzen der Ausstellung, dem skulpturalen und nicht weniger monumentalen Farbgebirge von Glexis Novoa, kommt.

Schnell ist klar: Es handelt sich hier um eine Gegenüberstellung ohne direkte Gegenüberstellung. Die Arbeiten aus der „historischen“ Schau „Kuba o.k.“ (erstmals 1990 in der Kunsthalle Düsseldorf zu sehen) und einige später erworbene Arbeiten werden mit aktuellen Positionen verwoben. Wer die Ausstellung von damals nicht gesehen hat und die Werke aus dem Besitz der Sammlung Ludwig auch nicht bei anderer Gelegenheit sah, wird dennoch unschwer erkennen können, dass sich die Themen, die Selbstwahrnehmung der Künstler und vielleicht auch deren Anspruch in den vergangenen Jahrzehnten geändert haben. Dominieren in den älteren Arbeiten oft noch Anspielungen auf religiöse Motive oder die erkennbar verzweifelte Abarbeitung an den real existierenden Umständen unter dem nicht so real existierenden Sozialismus, öffnen sich die jüngeren Künstler in jeder Hinsicht globaleren Themen und wenden sich unübersehbar mit dem Mittel der Ironie und mit Weltgewandtheit an ihr Publikum, um ihm ein anderes Kuba zu zeigen.

Die Ära Fidel Castros ist hier und da noch zitathaft präsent, als angestaubtes Gesellschaftsmodell und als Anachronismus, der überwunden scheint. Zumindest in den Köpfen jener Künstler, die heute von Galerien in Zürich oder New York vertreten werden. Wenn Wilfredo Prieto beispielsweise eine mannshohe leere Glasvitrine mit dem Titel „Hero“ präsentiert, dann würde ich das nicht als Ausdruck einer Regimekritik oder gar einer enttäuschten Hoffnung deuten, sondern eher als puren Zynismus.

Die überraschend witzige (Yaima Carrazana vs. niederländische Einwanderungsbehörde und Manuel Piña-Baldoquín vs. staatlich geförderte Baumaßnahmen), laute (Alejandro González vs. Buena Vista Social Club), hintergründige (Ariamna Contino/Alex Hernández vs. Ernst Thälmann) und vor allem hochkarätige (fast ausnahmslos alle) Ausstellung wird mit Sicherheit noch mehr Wellen schlagen, als sie das am vierten Tag nach Ausstellungsbeginn an einem wettermäßig wenig karibischen Tag in Aachen tat. Und wer es bis Februar 2018 nicht schafft, sie zu besuchen, der hat es auch nicht besser verdient.

Kunst x Kuba. Zeitgenössische Positionen seit 1989
Ludwig Forum für Internationale Kunst, noch bis 18.02.2018

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