D 2017, Regie: Matthias Heeder, Monika Hielscher, 87 Min. Start: 12.10.
Der Roman „Minority Report“ von Philip K. Dick – und dessen Verfilmung durch Steven Spielberg – zeichneten die Zukunftsvision eines perfekten Staates. In ihm gehört Kriminalität der Vergangenheit an, da die Menschheit einen Weg gefunden hat, zukünftige Taten bereits in der Gegenwart zu verhindern. Diese Vision ist längst nicht mehr reine Utopie. Schon heute arbeiten Einsatzkräfte etwa in Chicago, Paris und Berlin mit Früherkennungssystemen, die eine Vielzahl von Daten auswerten und auf diese Weise potenzielle Verbrechensherde ausmachen. Menschen werden kategorisiert und die Wahrscheinlichkeit einer Straftat ermittelt. Diese Algorithmen sind allerdings höchst zwiespältig, regen sie doch rassistische Vorgehensweisen an: die Chance, dass etwa ein Afroamerikaner eine Straftat begeht, sind eben ungleich höher. Entsprechend reagieren die computergestützten Streifenpolizisten und kontrollieren vermehrt Ausländer. Regisseur Matthias Heeder stellt die unterschiedlichen Systeme und die Intelligenz dahinter vor, spricht mit Kritikern und Befürwortern – und Opfern wie Robert McDaniel, dem ein normales Leben verwehrt wird, da er als potentieller „Gefährder“ auf der Liste der Überwachung steht. Seine Erlebnisse stellt Heeder mit Schauspielern nach, was leidlich gut funktioniert. Auch der übermäßige Einsatz von flashigen Animationssequenzen, die die oftmals trockenen Interviews auflockern sollen, wirkt etwas zu bemüht. Das ändert freilich nichts an der Brisanz seines Sujets.

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