Eine klassische Liaison, ein Paar, das so unzertrennbar miteinander verbunden ist wie Hopfen und Malz. Wir haben Aachener Musiker, DJs, Kneipiers und Musik-Affiniciados gefragt, welches Lied ihnen jeweils zu einer bestimmten Kneipe einfällt – und was sie damit verbinden.os?

Bei Punkrock-Karaoke im HQ lief natürlich immer von den Kassierern der Song Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist. An mehreren Abenden war dies aber auch bittere Realität, vor allem, wenn Dieter mal wieder vergessen hatte, genügend Bier zu ordern.
Papst Pest (DJ, Performer und Szene-Urgestein)


Es gibt tatsächlich (also zumindest bei mir) ganz wenige Songs, die man überhaupt mit oder gar exklusiv mit einer Kneipe oder einem Club verbindet. Bei mir gibt es eigentlich nur zwei Songs, die ich genau lokalisieren kann. 1979/1980 folgende war ich meistens im Roxy am Seilgraben, damals eigentlich neben dem UKW der einzige Neon- und Wave-Schuppen in Aachen.
Ach ja, der Song war ganz klar: The Cure – 10:15 after Saturday Night (von der LP Three imaginary Boys, 1979), der Song, eigentlich ziemlich simpel, baut mächtig Spannung, ist irgendwie raumfüllend – und passte so herrlich als Wochenendhymne: Thank God, it’s 10:15. Klar, präzise, ohne Floskeln und Schnörkel-Blabla. Und der Text war so schön einfach, den hab selbst ich verstanden und mitsummen können: 10:15 on a Saturday night and the tap drips under the strip light. And I’m sitting in the kitchen sink. And the tap drips Drip drip drip... Waiting for the telephone to ring And I’m wondering where she’s been And I’m crying for yesterday And the tap drips It’s always the same.“ Da war halt alles drin: In der Küche an, in oder unter der Spüle sitzen, auf ihren Anruf warten, Regen, Tränen, immer das Gleiche. Und das natürlich am besten in der verspiegelten Vollneon-Kammer vom Roxy – well wave-dressed … mit der weinroten, gefährlich engen Satinhose.
Zweiter Song: Auf dem Nachhauseweg nach Vetschau immer nochmal im Dschungel abgestiegen (nicht in Berlin, sondern in Richterich). Damit verbinde ich ganz klar: DAF – Kebabträume.
Martin Heinen (gelegentlicher DJ und Party-Veranstalter)


Mit 16, 17 machte ich erste Ausflüge von Würselen nach Aachen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Song von Rare Earth: Get ready. Funk. Wenn der DJ eine Pause haben wollte, ließ er den Song durchlaufen – die ganze Plattenseite, so 25 Minuten! Ich fand das cool, hatte einen gewissen Groove.
Dann gab es noch den Löwenkrug (oder so ähnlich) in der Wirichsbongardstraße. Das war damals eine Szenekneipe. Da habe ich meine Frau kennengelernt. Bei Pink Floyd und Deep Purple oder Velvet Underground. Und im Dschungel in Richterich lief immer Passenger von Iggy Pop Aber mindestens 2x am Abend.
Reinhold Reising (ehemaliger Inhaber der Plattenbörse)


Ort: Domkeller. Song: This is a film, aus dem Soundtrack zu Arizona Dream (Film von Emir Kusturica) von Goran Bregovic/Iggy Pop.
Warum? In der wilden Musikmischung des Domkellers von Free Jazz über Funk und Soul bis Worldmusic brannte sich dieser Song Mitte der 1990er sofort und unauslöschbar in meinen Gehörgang. Was war DAS? Balkan Reggae mit bulgarischem Frauenchor, klezmernder Klarinette und dazu Iggy Pop! Ich habe es damals nirgendwo anders gehört, vielleicht weil das komplett geniale Album wegen Urheberstreitigkeiten kurz nach VÖ zurückgezogen wurde. Der Domkeller hatte zum Glück eine CD, die fast ständig lief, und dieser Song passt so dermaßen zum damaligen Wirt (meinem späteren Schwiegervater) Michael Salagoudis, der Zeit seines Lebens Fische schnitzte, malte, bewunderte (und in seiner Heimat gerne aß).
Milos Sous (Mitinhaber des Domkellers und Veranstalter der Montagskonzerte)

 

Aoxomoxoa: Whirlpool Productions – From Disco To Disco (2012 gehört)
Auch vor der Erfindung der Shuttle-Party konnte man in Aachen schon von Club zu Club ziehen. Das Besondere am Aoxomoxoa war die schöne kleine Tanzfläche mit gutem Sound. Das funktionierte nach dem Prinzip Klangdusche fast so wie im legendären Hamburger Golden Pudel: ein kleiner knackiger Dancefloor mit vollem Klangerlebnis. Der Pudel hat nach einigem Ärger doch noch überlebt, zum Glück. Das Aoxo ist ja leider Geschichte, aber bei From Disco To Disco muss ich öfters noch dran denken, wie schön es dort war. Hans Nieswandt, die eine Hälfte von Whirlpool Productions, war ja selber oft als DJ hier zu Gast.

Dumont: The Beatles – Hey Jude (2016 gehört)
Hier habe ich schon einige hervorragende Jazzkonzerte erlebt, was jetzt aber nichts mit den Beatles zu tun hat. Spätestens beim Refrain von Hey Jude muss ich aber oft ans kurz-vor-heiligabendliche Dumont denken. In meinem Kopf verschmilzt die Originalversion von Hey Jude mit der Liveinterpretation von den Aachener Ringo-Allstars, die hier traditionell zum Weihnachtskonzert aufspielen.

Hildegart: MITTEKILL – Wasser oder Wodka (2017 gehört)
Neulich in der Hildegart, eine sehr gute Freitagabend-Disco-Party. Hier gibt es ja auch eine schöne kompakte Tanzflächensituation. Mein Nachbar Yves hat in den Wartezeiten zwischen den Cocktails jeweils ein Bier serviert – das war zwar sehr erfrischend, aber Wasser zwischen den Cocktails wäre wohl besser gewesen für die Fitness am nächsten Morgen. Also am besten Wasser *und* Wodka, immer schön abwechselnd …
Ernst Wawra (Alphawezen, Elektro Willi & Sohn)


Als ich 89 nach Aachen kam, war für mich das Hauptquartier die musikalische Bildungseinrichtung schlechthin! Damals war Lothar noch der Gitarre zugewandt und ich musste dauernd fragen (peinlich, peinlich), was das nun wieder Geiles war. Ein Song war war Waiting Room von Fugazi. Immer noch ein Alltime-Favorite! Aber nur stellvertretend für ganz, ganz viel.
Ernst Kochen (The Merrymakers, Henk jr., Junebug in a Jar)


Dumont: From Disco to Disco von Whirlpool Productions
Last Exit: Wir sind frei von Blumfeld
Miranda Zuiderduin (Junebug in a Jar)


Cafe Kittel: Mr Scruff – Get a Move on
Als ich nach Aachen kam (2000 rum), war ich oft im Kittel. Lief das Stück im Kittel rauf und runter. Eigentlich war das vor allem die Sunsets Compilation vom damaligen Tam-Tam-Besitzer Necati …
Last Exit: Bill Withers – Who Is He (Henrik Schwarz Edit)
Eigentlich stellvertretend für meine ganzen Mixtapes, die ich während meiner Arbeitsjahre dort gespielt und archiviert habe. Auch heute noch gehe ich dahin und höre die alten Tapes, von neuen Kollegen serviert. Ein schönes Gefühl 😉
Hildegart: Florence & The Machine – You got the Love (The XX Remix)
Ich glaube, Ana mochte den Track auch. Verbinde den mit vielen unterschiedlichen Momenten in der Hilde …
Chris Kukulis (aka DJ Chris Brid)


Das Kittel versprüht tagsüber eine Atmosphäre, die sich anfühlt, wie das Album The Mirror Conspiracy von Thievery Corporation klingt: multikulturell, entschleunigt und verträumt. Wer hier tagsüber zum Kaffeetrinken vorbeischaut, bringt oft viel Zeit mit und plant einen längeren, gemütlichen Aufenthalt zum Sinnieren, Arbeiten am Laptop oder Zeitunglesen im sonnigen Biergarten.
Greta Gallo (Tam Tam, DJ Galeur)


1992 bin ich nach Aachen gekommen und umgehend im Hauptquartier hängengeblieben. Dort legte auch mein Plattenbörsen-Kollege, der Papst, auf. Besonders ist mir der Song Buenos Tardes Amigo von Ween aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben. Ansonsten mag ich Musik besonders dann, wenn es schnelle Elektrosachen sind, auf die ich tanzen kann (Bunker). Oder wenn sie mich an meine erste Ausgehzeit erinnern (Sisters,
Cure, Joy Division ..., wie Josef aka Ordinary Joe es gerne im Dumont oder Domkeller auf die Plattenteller wirft).
Birgit Franchy (von 1993–1998 Mitarbeiterin in der Plattenbörse)

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