Meine Freundin sagt, es trinken sowieso alle und Alkohol ist bei uns Kulturgut. Dran zu +, ist 4 jeden 1 Ehre, aber niemand sagt es laut. Es wird allgemein akzeptiert und nur heimlich beweint. Meine Kneipe war das HQ. Wo ich mal 1997 hin mitgenommen wurde und es wäre 4 me in meinem Inneren nie als „Kneipe“ bezeichnet gewesen, vielmehr als „Wohnzimmer“, in dem man sich mit „seiner Familie“ trifft. Am Tresen sah ich: Menschen, die bei N8 ziemlich interessant und gut aussahen, bei Tag aber jeglichen Glanz 4loren hatten, sich dessen jedoch nie gewahr wurden. Natürlich bestellten sie Bier. 1nem Anmachermann goss ich mal 1 über den Kopf und da sagte er: „Ich töte dich.“ Meistens aber genoss ich die Gegenwart der Betrunkenen sehr, weil ich sie immer beobachte und diebische Freude daran habe, zu sehen, wie sich ihr Zustand 4ändert und ihr Pegel steigt. 1ner, der sehr freundlich war mit vollem schwarzen Haar und von etwas runder, kleiner Gestalt, hatte traurige Augen und redete von seiner Freundin, die er nicht mehr hatte, weil sie ihm früher immer Stofftiere überreicht hatte, er sagte: „Ich krieg schon lange keine Plüschtiere mehr“; heute aber geht er auf Socken mit Tüten in beiden Händen über den Rehmplatz, das wirre Haar weiß; 1 anderer erzählte unterdes von seiner HIV-Erkrankung und überpuderte sein Kaposi-Sarkom im Gesicht, 1ner legte seinen Zahnersatz auf den Tresen und zeigte ihn mir lachend, weitere kamen im Kleid oder als Transgender und hoben den Rock, sowie bot mir 1 gratis an, mir 1 Reise nach Marokko zu präsenten (also schenken); ich lehnte ab. Ich dachte, das Thema heißt also LIEBE und die SUCHE DANACH, da wird allen klar: Liebe dauert nicht, Liebe ist 1 Illusion, die mal 1 Stunde dauert, mal 1 Woche, mal 1 paar Jahre und am Ende sitzen sie alle wieder da am holzigen Tresen und sie sind so leer und ohne Erkenntnis. Ich doch auch, auch mir kam diese schon oft in die Quere, aber deswegen +saufen??? Ich denk an so 1 Mann, der gerippig dasaß in der Kneipe gegenüber, dünn, skelettartig, grünbleich, fast zahnlos und 1gefallen, der sich mit Mühe am Tresen und am Bier festhielt und man darf ja den Namen nicht sagen, erst redete er von seiner Liebe, dann davon, was 4 1 toller Hecht er sei; leider hatte es nicht gehalten, dann sagte er gar nix mehr, nun ist er weg, ausgelöscht. Im Netto aber dreh ich mich an der Kasse um und sehe 1 Bekannten hinter mir, der hat den Wagen voll Schnaps/Bier und ich sage im Affekt: „Wie wäre es mal mit 1 Entzugskur?“, woraufhin er bisschen gesichtlich 1fällt und nach 1 Antwort sucht, meistens ist es diese: „Nee, wieso, ich habe heute GÄSTE!“ und viele sind sich selbst der liebste und 1zige Gast. Auch bei Netto und an der Mülltonne da4: 1 schöne Dame, die hastig so 1 kleines Billigpaket Kleinstschnäpse (4er Pack) aufreißt und hastig alles hinunterstürzt (kennstu noch Professor Hastig aus der Sesamstr.?); dazu bei Norma Leute, die allen Alkohol am Monatsersten in die Handtasche stopfen nach dem Bezahlen oder sich mitsamt des Kasten Bieres nach Hause fahren lassen, das aber im Taxi, darüber schrieb ich schonmal. NEE, also: LOBEN kann ich Bier nicht. Mich ekelt da4. Ich bliebe auch streng. Kein Harmonisieren! Kein Bagatellisieren! Kein kühles Nass zwitschern! MASS halten! Nicht den KRUG! (Tut mir leid.) MADxxx

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