S/D/DK/F 2017, Regie: Ruben Östlund. Darsteller: Mit Claes Bang, Elisabeth Moss, Dominic West. 151 Min. Start: 19.10.
Kunst, Kommerz und Wirklichkeit. Ruben Östlund hat sich Großes vorgenommen für seinen neuen Spielfilm. Er konfrontiert die Kunstwelt mit dem wahren Leben. Dass das blutig endet, ist absehbar, dass es leicht ins Didaktische abdriften kann, ebenso. Auch wenn Östlund den Zirkus bisweilen etwas überdeutlich karikiert, weiß er doch über die ausladenden 140 Minuten Laufzeit immer wieder zu überraschen. Er wirft den Chef eines Kopenhagener Museums für moderne Kunst mitten hinein in eine absurde Farce, eine Parade der Eitelkeiten. Christian ist ein Vertreter im Nadelstreifenanzug. Seine Ware ist die Kunst, sein Ziel ist es, sie an ein zahlungskräftiges Publikum zu bringen. Nach Außen wirkt er aalglatt, aber eigentlich hat er keinen Plan. Das wird schnell klar als man ihm in einer ausgefeilten Inszenierung auf der Straße sein Handy und sein Portemonnaie klaut. Christian kann das gestohlene Smartphone orten und beschließt gemeinsam mit seinem Assistenten Michael in jeden Briefkasten des Wohnbunkers einen Zettel zu werfen, dem unmissverständlich zu entnehmen ist, dass er den Dieb überführt hat. Damit hat er tatsächlich Erfolg, doch erhält er am Ende mehr als nur das Diebesgut zurück. Östlund nutzt den Spielplatz der Kunstszene zu einer Reflexion über Menschlichkeit. Immer wieder mischen sich Bilder von Obdachlosen und Bettlern mit überkandidelten Kunstkennern, die mit Millionen um sich werfen. Der Ton seiner beißenden Satire nimmt zunehmend absurdere Züge an. Wie bei dem preisgekrönten Drama »Höhere Gewalt« behandelt er das gesellschaftliche Bild der Männlichkeit und zerlegt es genüsslich in seine Einzelteile. Man mag seine Auseinandersetzung als vordergründig abtun und seinen Hang zur minutiösen Zerlegung als überlang kritisieren – »The Square«, der mit der Goldene Palme beim Filmfestival von Cannes ausgezeichnet wurde, ist dennoch ein eigenwilliges, faszinierendes Kunstwerk.

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