IR/CAN 2016, Regie: Aisling Walsh. Darsteller: Shelly White, Guy Godfree, Stephen O’Connell, Michael Timmins, Sally Hawkins, Ethan Hawke, Kari Matchett. 115 Min. Start: 26.10.
Nova Scotia, Kanada in den 1930ern: Maud Dowley ist eine selbstbewusste junge Frau, kreativ, begabt und mit einem verspielten Blick auf die Welt um sie herum. Doch ihre Behinderung machte sie bisher abhängig von Anderen. Als Kind erkrankte sie an rheumatischer Arthritis. Seitdem humpelt sie und erträgt stolz die Demütigungen und Bevormundungen ihrer Mitmenschen. Das soll sich ändern, als sie in einem Laden die Anzeige für einen Job als Haushälterin entdeckt. Maudie ist fest entschlossen, auf eigenen Beinen zu stehen und schleppt sich bis zum Haus von Everett Lewis. Der Einsiedler ist ein einfacher Fischhändler, ohne Freunde und Freude in seinem Leben. Maudie lässt sich von seiner ruppigen Art nicht abschrecken, führt für sie doch auch kein Weg zurück in die erstickende Obhut ihrer Tante. Also beißt sie sich durch und behauptet ihren Platz in Everetts kleinen Hütte. Hier beginnt sie wieder zu malen – mit überraschendem Erfolg. Die wahre Liebesgeschichte zwischen dem simplen Everett und der phantasievollen Maud führt zu einem Porträt einer der faszinierendsten Künstlerinnen ihrer Zeit. Maud Lewis traf mit ihren farbenfrohen Bildern der Natur einen Nerv. Die wundervolle Sally Hawkins („Happy Go-Lucky“) spielt sie mit entwaffnender Herzlichkeit und bringt den Film zum Strahlen. Ethan Hawke überzeugt in der so gänzlich gegensätzlichen Rolle des grantigen Hausherrn – ein ungewohnter Anblick, verkörpert er doch sonst eher die Sympathieträger. Die Inszenierung der irischen Regisseurin Aisling Walsh („Fingersmith“), die bislang für die BBC filmte, ist etwas spröde geraten, doch die lichten Momente inmitten des Dramas tragen eine einnehmende Poesie und einen warmherzigen Charme. Die realistisch gezeichnete Beziehung zwischen Maud und Everett ist das Herz dieses ungewöhnlichen Künstlerporträts.

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