Alea iacta est. Der Satz geht auf Caesar zurück, der 49 v. Chr. mit seiner Armee am Rubikon stand und im Begriff war, diesen zu überqueren. Als er sich schließlich entschied, gen Rom zu marschieren, wollte er mit dem Ausspruch zum Ausdruck bringen, dass dieser Schritt unwiderruflich sei und unabsehbare Folgen haben werde. Das passte zum Altstadtquartier Büchel, wo die Würfel bezüglich der Umgestaltung bereits gefallen waren. Inzwischen stellt sich die Lage aber wieder ganz anders dar …

Was bisher geschah: Irgendwo zwischen Laufhaus, Einkaufsmeile und Kita (drin im Bebauungsplan, gestrichen, drin, gestrichen …) schien sie zu liegen, die Lösung für das Areal um den Büchel herum. Die Tage des „Schandflecks“ schienen gezählt. Was 2015 aus einem Architekturwettbewerb zur Umgestaltung des Quartiers als Siegerentwurf hervorging, sieht (aufgrund der Vorgaben seitens der Stadt) eine ziemlich konservative Bebauung vor, die es allen recht machen will. Eine sogenannte eierlegende Wollmilchsau. Demnächst sollte hier gewohnt, konsumiert, flaniert und ab und zu auch mal einer weggesteckt werden. Immerhin, das mit dem Wohnen in der Innenstadt war mal was Neues. Der schönste Vorschlag war indes der, das horizontale Gewerbe an einem Ende der Antoniusstraße zu konzentrieren und den Rest der Straße für alle zugänglich zu machen. Bei der Gestaltung des „fließenden“ Übergangs würden Künstler als Berater hinzugezogen werden. Wunderbar. Ich stelle mir darunter so etwas in Richtung Niki de Saint Phalle vor. Ihr wisst schon, die begehbare Möse.

Im schlimmsten Fall liefe der Plan auf ein Szenario hinaus wie in der kleinen Adalbertstraße, mit einer Aquis Vulva Ecke Antonius-/Mefferdatisstraße. So wie wir sahen sich nämlich auch Bordellbetreiber von der Politik vor vollendete Tatsachen gestellt. Während das Bürgerinteresse im Allgemeinen eher gering war, meldete sich just einer dieser „Betroffenen“ mit dem Hinweis zu Wort, dass die Antoniusstraße immerhin schon seit anno 914 n. Chr. Hurengasse sei. Es bestehe also Bestandsschutz. Ob er damit die Gebäude oder das Gewerbe meinte, ist nicht ganz klar. Nein! Also in so kurzer Zeit kann man nun wirklich keine Rücklagen bilden, zum Beispiel für den Fall, dass mal wo gebaut wird. Alles Bullshit. Wenn die osteuropäischen Bauarbeiter wirklich irgendwann mal anrücken, dann bumst es aber sowas von im Container, da werden sich die Herren „Vermieter“ wünschen, es würde andauernd gebaggert am Büchel.

Aber jetzt kommtʼs: Trotz innerer Widersprüche und offensichtlicher Kommunikationslücken war das oben skizzierte Konzept vor Monaten mit großer Mehrheit vom Rat abgesegnet worden. Der Oberbürgermeister himself aber sucht aktuell nach Alternativstandorten für die Freudenhäuser. Die schon seit längerem geäußerten Bedenken der Polizei hinsichtlich der Kontrollierbarkeit des Milieus, die bei einer gemischten Nutzung nicht mehr gesichert sei, sollen ihn dazu veranlasst haben. Bewusst oder unbewusst schlägt er damit nun gegen den Ratsbeschluss und die eigene Fraktion in die gleiche Kerbe wie einige Investoren, für die das Rotlichtviertel am jetzigen Standort eigentlich ein No-Go ist. Frischer Wind für die Befürworter des Puffs auf der grünen Wiese, die nun versuchen werden, die All-in-one-Lösung wieder auf den Prüfstand zu zerren.

Das Parkhaus, das partout nicht in sich selbst zusammenfallen will, überschaut derweil gelassen den staubigen Parkplatz zur Antoniusstraße hin, wo Wildpinkler ihre Spuren hinterlassen und man sich – selbst am helllichten Tag – hinlänglich verdächtig macht. In absehbarer Zeit wird der Cashcow der Aachener Parkhaus GmbH nichts passieren. Irgendwann in ferner Zukunft sollen das Parkhaus und die Brache und die halbe Antoniusstraße dann aber weg, unabhängig davon, ob die Personenreiterei dort dann weiterbetrieben werden wird oder nicht. Wie auch immer. Wir beteiligen uns gerne weiter am Ideen-Tourette. Und ist es nicht auch so, wie es gerade ist, morbid schön, dieses versiffte Sahnestückchen, diese Peepshow städtebaulichen Versagens seit fünfundvierzig? Ernsthaft. Man muss das nur mal positiv sehen. So als objet trouvé. Und noch steht ja alles beziehungsweise nichts. Vermutlich erleben wir noch, dass auf dem oberen Parkdeck des Parkhauses ganz von alleine Gras wächst.

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