Auf feinsinnige Weise feiert das Suermondt-Ludwig-Museum in diesen Tagen das fünfzigjährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Aachen und Reims. Die offiziellen Feierlichkeiten wurden bereits im Januar begangen, doch das Museum legt nun mit einer Ausstellung im Kaminraum nochmal nach. Sie widmet sich dem „Poeten der Landschaft“, Camille Corot.

Der 1796 in Paris geborene Jean-Baptiste Camille Corot († 1875) war einer der Hauptvertreter der Schule von Barbizon. Der von Théodore Rousseau um 1830 begründeten Gruppe werden etwa zwanzig Künstler zugerechnet. Im Wald von Fontainebleau – nahe dem Ort Barbizon (etwa 50 Kilometer südlich von Paris) – traf man sich, um in der Natur nach der Natur zu malen. Sujets wie das einfache Leben auf dem Land und die nicht überhöhte Darstellung gänzlich herkömmlicher Schauplätze standen seinerzeit im Widerspruch zu den Mitte des achtzehnten Jahrhunderts vorherrschenden Konventionen des Salon de Paris. Statt um historische, religiöse oder mythologische Themen ging es in den Bildern der Barbizonians darum, möglichst wahrheitsgemäß festzuhalten, was sich ihnen an Eindrücken bot. Begünstigt durch die damals aufkommenden Farben aus der Tube, die nicht mehr extra angemischt werden mussten, wendeten sie sich von der Ateliermalerei ab und etablierten einen flotteren und freieren Duktus, der bereits in Ansätzen an jene bahnbrechende Stilrichtung des späten neunzehnten Jahrhunderts erinnert, als deren Vorreiter sie wenige Jahrzehnte später gelten sollten: den Impressionismus.

Mir scheint, dass gerade Corot, der als einer der Wegbereiter der Moderne gelten kann, für jeden Kunstinteressierten von großem Interesse sein sollte. Dass es im fünfzigsten Jahr der Städtepartnerschaft ausgerechnet Corot sein muss, erklärt sich im Übrigen daraus, dass das Musée des Beaux-Arts in Reims eine der umfangreichsten Sammlungen des Künstlers besitzt. Ein Umstand, der Peter van den Brink, den Direktor des SLM, sehr glücklich gemacht haben dürfte, denn er konnte für die Ausstellung quasi aus dem Vollen schöpfen und hat sich 13 Perlen der Corotʼschen Freilichtmalerei herausgepickt. Man beachte darüber hinaus die Präsentation. Der Kaminraum zeigt sich diesmal in einem Taubenblau, das der Rahmung der Bilder und der Palette Corots sehr entgegenkommt. Kann man ja mal erwähnen.

Jean-Baptiste Camille Corot
Suermondt-Ludwig-Museum, noch bis 30. Dezember 2017

Die Entführung der Mona Lisa

1911 klaute der italienische Anstreicher Vincenzo Peruggia die Mona Lisa aus dem Louvre. Seit 1797 hatte Leonardo da Vincis wohl bekanntestes Werk dort gehangen. Die Lücke, die der Diebstahl hinterließ, versuchte man zunächst durch das Porträt des Baldassare Castiglione von Raffael zu füllen. Als das Bildnis der heiteren Florentinerin jedoch verschwunden blieb, entschied man sich für ein dauerhaftes Substitut, das man 1912 wohl eigens als moderne Hommage an die Mona Lisa erworben hatte: Camille Corots Frau mit einer Perle. End of story: 1913 kehrte die Mona Lisa schließlich unter abenteuerlichen Umständen doch wieder in den Louvre zurück. Die Popularität des Gemäldes wurde durch den Vorfall noch erheblich gesteigert und Corot musste den Platz wieder räumen.

Städte unter sich

Das vorrangige Ziel der Städtepartnerschaft zwischen Aachen und Reims war sicher die erneute Annäherung der beiden Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg. Bereits im Juli 1962 hatten der französische Präsident de Gaulle und Konrad Adenauer bei einem Besuch Adenauers in Paris die Grundlage für eine Völkerverständigung geschaffen. Fünf Jahre später, am 28. Januar 1967, wurde der Städtepartnervertrag in Aachen unterzeichnet. In diesem Fall sind Sinn und Zweck augenfällig, die Beweggründe für eine Städtepartnerschaft können aber auch vollkommen anderer Natur sein. Im Falle von Coburg in Deutschland und Cobourg in Kanada war es zum Beispiel einfach die Namensgleichheit, die die Bayern dazu bewog, mal in Ontario anzufragen. Kurios ist der Dreier zwischen dem französischen Ort Y (er heißt wirklich so, einfach Y), dem niederländischen Dorf Ee und dem walisischen Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch (auch kein Witz, vor allem nicht für den Layouter :)), bei dem es die Orte mit den kürzesten und dem längsten Namen Europas miteinander tun. Die bisher mit Abstand sympathischste aller Verbindungen gingen das schottische Dull (84 Einwohner) und das etwas größere Boring, Oregon, ein und bewiesen damit schon 2012, dass sie alles andere als langweilig sind. Die beiden Orte planen ganz aktuell, sich mit der australischen Stadt Bland zu verschwistern.

Bei weitergehendem Interesse für die Städtepartnerschaft Aachen – Reims wendet man sich an den Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Aachen – Reims e. V. → www.aachen-reims.de

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