1967 war ein gutes Jahr für die Alemannia. Es ging rauf in die erste Liga! Überhaupt ging es hoch hinaus in Aachen. Auch in der Architektur. Am Preuswald entstand gerade eine Trabantenstadt, das heute nicht mehr existierende Landesbehördenhaus (Franzstraße) wurde bezogen und auch an der Peterstraße tat sich was: Man dachte über eine Lösung für das Trümmerfeld am Kurhausgarten nach (der dann der Kurhausstraße zum Opfer fiel) und initiierte einen Architekturwettbewerb. 1968 einigte man sich auf den Entwurf der Aachener Architekten Siegfried Reitz und Willy Frings, und nach fünfjähriger Bauzeit wurde der Bushof 1973 eingeweiht. Als damals Deutschlands größter überdachter Bushof.

Architektonisch und was den Anspruch an die Nutzung anging war der Bau außergewöhnlich und folgte den Prämissen der sogenannten Zweiten Nachkriegsmoderne, die sich unter anderem durch den neuen Baustoff Beton von der unmittelbaren Nachkriegsmoderne der 1950er Jahre abgrenzte. Die Bauten dieser Epoche waren Ausdruck des Zeitgeistes, zu dem der Gedanke der autogerechten Stadt ebenso gehörte wie die Idee von der Stadt in der Stadt. So war auch der Bushof als Multifunktionsbau geplant, der verkehrstechnisch an- und eingebunden wurde, aber nicht nur als Schaltstelle des öffentlichen Nahverkehrs fungierte, sondern auch als Einkaufspassage und Wohnanlage. Auch heute noch stechen der siebenstöckige Wohnblock an der Peterstraße und der auf sogenannte Piloti gestellte Spielpavillon an der Rückseite des Komplexes (gegenüber dem Peterskirchplatz) ins Auge. Der Pavillon war als Hort für Kinder und Jugendliche gedacht, dort sollten die Kleinen abgegeben werden, während die Eltern im Gebäude shoppen.

Damals wie heute ist eine Hälfte des Objekts im Besitz der Stadt und die andere in privater Hand. Die angedachte vielfältige Nutzung ist allerdings längst einer nahezu monofunktionalen gewichen. Zwar wickelt die ASEAG hier wie vorgesehen den zentralen Busbetrieb ab, den Rest des städtischen Teils nutzt jedoch ausschließlich die VHS. Alles andere scheint bis auf wenige Ausnahmen verwaist.

Der Niedergang begann schon kurz nach dem Bezug. Viele Mieter zogen alsbald wieder aus und die Einkaufspassage wurde erst gar nicht als solche angenommen. Die Gründe waren in Aachen die gleichen wie andernorts, wo die visionären stadtplanerischen Ansätze oft bereits während der Umsetzung umstritten waren und letztlich beim Realitycheck durchfielen. Bis heute ist sehr beliebt, dieses Versagen der Architektur zuzuschreiben. Dabei bestand das Versprechen der in den 1960er und 1970er Jahren gebauten Großstrukturen doch gerade darin, bestehenden Missständen entgegenzuwirken und für die neue Gesellschaft eine bessere Zukunft zu bauen. Die Meinungen darüber, wie diese Zukunft aussehen sollte, gingen allerdings auseinander. Immerhin blieb den Aachenern durch den Bushof seinerzeit der Gegenentwurf erspart, der einen riesigen Parkplatz vorsah, der zur Peterstraße hin lediglich durch eine einzelne Häuserzeile abgegrenzt werden sollte. Durch den Bushof wurden die Autostellplätze in den Untergrund verbannt, und auf der Ecke Peterstraße/Kurhausstraße entstanden in dem alles überragenden, mehrgeschossigen Turm Mietobjekte in Premiumlage und in Premiumqualität.

Das ästhetisch und funktional hochmoderne Gebäude wurde zunächst durchaus wohlwollend aufgenommen. Die negative Wahrnehmung in der Folge hatte und hat eher mit den Begleitumständen zu tun. Ein wiederkehrendes Muster, wenn man sich den Umgang mit der Architektur jener Epoche anschaut. Maßgeblich für die Misere war oft, dass Konzepte aus Kostengründen bereits in der Bauphase modifiziert oder nur zum Teil wie geplant ausgeführt wurden. Außerdem existierten selten nennenswerte Budgets für die Bauerhaltung und die Pflege des Umfelds der Großbauten, was zu erneuten Einsparmaßnahmen führte. Am Beispiel Bushof führten Kurzschlussreaktionen wie die Schließung der Unterführung, weil man des Vandalismus, der Vermüllung und der Ausbreitung von Kleinkriminalität nicht mehr Herr wurde, schließlich zur finalen Isolation des ganzen Komplexes und zu einer Verschärfung der Problematik. Nicht zuletzt der Ausbau der Peterstraße sorgte dafür, dass dem Bushof sein Zugang zur Stadt abgeschnitten wurde, woraufhin die Ladenlokale an der Frontseite an Attraktivität verloren. Wege wurden nicht angeboten, sondern Umwege erzwungen. Gebäudeteile wie die lichtüberfluteten Terrassen vegetieren seit Jahrzehnten unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich hin. Seitens der VHS, die das schlechte Image des Objekts quasi als Hypothek geerbt hat, wurde der Bushof schon seit jeher als suboptimale Lösung betrachtet. Daran haben auch bedarfsgerechte Umbauten wenig geändert. Während man die städtebauliche Einbindung fahrlässig vernachlässigt, steht die Qualität der Architektur kaum einmal im Vordergrund. Im Falle des Bushofs muss man sich das Bauwerk jedoch nur genauer und von allen Seiten ansehen, um sie zu entdecken.

Der Bushof ist kein monolithischer Betonklotz, wie ihm nachgesagt wird, sondern ein vielgesichtiger Bau mit spannenden Elementen. An der Rückseite befindet sich der bereits erwähnte zweigeschossige Pavillon. Zur Kurhausstraße hin gibt es zwei geduckte, auskragende Geschosse. Sie waren ehemals für Büros der ASEAG-Mitarbeiter vorgesehen. An seiner Schokoladenseite, zur Peterstraße hin, wirkt der Bushof wie ein Ozeandampfer. Schade, dass niemand mehr an Bord ist und der Riese wie erstarrt wirkt. Das interessante Wechselspiel der Horizontalen und Vertikalen und die abwechslungsreiche Gliederung der Fassade mit ihren Fensterbändern machen den Bushof zu allem anderen als einem langweiligen Betonklotz. Die heutige monofunktionale Nutzung verbarrikadiert außen wie innen praktisch die ursprünglich intendierte Durchdringung durch verschiedene Angebote, die für eine hohe Passantenfrequenz ausgelegt waren. Kein Wunder, dass das Gebäude momentan wenig einladend wirkt.
Text: Eckhard Heck. Fotos: Birgit Franchy (8), Eckard Heck (5), Stadt Aachen (1)

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