Ich liebe Collagen und ich liebe die collagenartigen Gemälde von Romain Van Wissen. Darf ich das einfach so naiv sagen, ohne sie kunsthistorisch hinterfragt zu haben? Ja, ich darf. „Betrachter dürfen Bilder einfach genießen. Es ist nicht schlimm, das zu tun!“ Mit dieser Aussage überrascht Frank-Thorsten Moll, Direktor des IKOB und Kurator, bei der Einführung in die Ausstellung „WHO IS IN THE HOUSE“.

Frank-Thorsten Moll begeistert der Stil von Romain Van Wissen. Seine Werke können man überall zeigen. Kurioserweise biete gerade das kleine Ostbelgien die Möglichkeit, sich künstlerisch frei zu entfalten, ohne dogmatischen Zwängen oder Trends einer Akademie oder Schule unterworfen zu sein. Moll hat sich entschieden, dem 2014 zum „Künstler der Deutschsprachigen Gemeinschaft“ gewählten Van Wissen das gesamte Museum zur Verfügung zu stellen und nicht – wie ursprünglich geplant – nur einen Raum.

Gemeinsam mit dem Künstler wurde das IKOB zum Gesamtkunstwerk umgestaltet. In der Mitte der oberen Etage, die früher ein Möbellager war, hängt als eine von drei Installationen das raumfüllende Panorama „I believe I can fly“, ein Rundbild, das an die Panoramabilder des 19. Jahrhunderts erinnert. Der Betrachter kann sich ins Bildinnere begeben und einmal um 360 Grad drehen. Er ist in diesem speziellen Fall tatsächlich „im Bilde“, egal wie er das Werk nun interpretiert. Neben abstrakten Farbkompositionen finden sich in dieser, wie in den meisten seiner Arbeiten, realistische Elemente, hier ist es eine verfallene Hütte. Die teils grellen Farben wie Neongelb, Hellblau oder Orange, die im Rundbild kleine Akzente setzen, finden sich auch auf den umliegenden Wänden der Halle wieder und stehen dort im geschickten Kontrast zu den auf ihnen platzierten Bildern. Diese sind akribisch konzipiert und konstruiert, der Zufall hat laut Van Wissen jedoch ebenfalls seine Hände im Spiel, wenn er bei der Materialwahl auf Zeitungsausschnitte und private Fotos, aber auch auf Fundstücke wie Zeichnungen seiner Tochter zurückgreift.

Romain Van Wissen gefällt es, wenn seine Werke den Betrachter dazu anregen, sich Geschichten auszudenken und über Zusammenhänge zu spekulieren. Er collagiert seine Interpretation der Welt und überlässt dem Betrachter die Interpretationen dazu, denn er weiß, dass es so viele Interpretationen der Realität gibt, wie es Einzelpersonen gibt, die diese wahrnehmen.
Kurator Frank-Thorsten Moll gibt den Besuchern, die trotzdem noch etwas Background zu den Arbeiten haben möchten, ein wunderbares Bulletin zur Hand, eine „Bedienungsanleitung für die Ausstellung“ mit Beobachtungen zum Werk.

IKOB – Museum für Zeitgenössische Kunst
Rotenberg 12, 4700 Eupen, www.ikob.be | Mi-So, 13:00-18:00 Uhr
Romain Van Wissen – WHO IS IN THE HOUSE, 13.09.-19.11.2017 | verlängert bis zum 10.12.2017!
Führungen etc. sind in unserem Kalender erfasst.

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