Aixscape: Die Tür fällt ins Schloss und die Uhr tickt …


In der Kockerellstraße hat der Escape Room „Aixscape“ eröffnet und die Rätsel haben es in sich.

Eingesperrt in einem Raum und nur eine Stunde Zeit, um den Code der Tür, die in die Freiheit führt, zu knacken! Auch wenn es so klingt, hier wird kein fiktives Szenario aus einem Kriminaloman oder einem Thriller im Kino beschrieben. Es handelt sich vielmehr um einen spannenden Freizeittrend für Freunde und Familien, welcher sich hinter den vielfältigen Namen Escape Room, Escape Game, Exit Game oder Exit Room verbirgt. Trotz unterschiedlicher Bezeichnungen ist bei dem Live-Event zum Mitmachen das grundlegende Spielkonzept immer gleich: Man wird in einem thematisch gestalteten Raum eingeschlossen, aus dem man sich innerhalb von 60 Minuten durch das Lösen verschiedenster Rätsel befreien muss. Beim Spiel sind kombinatorische Fähigkeiten, logisches Denken, Teamwork und eine gute Kommunikation innerhalb der Gruppe gefordert.
Mit dem Aixscape in bester Innenstadtlage, betrieben von Michael und Jutta Kröhnert, hat vor kurzem ein Escape Room eröffnet, bei dem man all diese Qualitäten unter Beweis stellen kann. Aixscape ist nicht Teil eines Escape-Room-Franchise. Die Thematik des Raums, die Rätsel an sich und die Einrichtung sind also einmalig, vieles ist in Eigenarbeit und alles mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Mit einer Spieleranzahl von zwei bis sechs Personen kann man den Raum buchen. Zurzeit gibt es nur einen Raum, welcher den Namen „Dubiose Spielchen“ trägt. An der Fertigstellung eines zweiten Raums mit dem Titel „Das Geheimnis der Gräfin Mobesin“ wird aber momentan auf Hochtouren gearbeitet. Dieser soll noch stärker einen thematischen Bezug zur Stadt Aachen haben und besonders auch für Familien mit älteren Kindern geeignet sein. „Januar wäre für die Eröffnung eine mutige Voraussage“, meint Jutta Kröhnert.

Der Aixscape Room im Selbsttest: zwischen Verzweiflung und Erleuchtung

Zu Beginn gibt es von Michael Kröhnert eine kurze Einführung in die Story, in die der Raum eingebettet ist: Wir erfahren, dass wir in die Rolle eines verdeckten Ermittlers schlüpfen, welcher den kuriosen Machenschaften des selbsternannten Aachener Brettspielkönigs Walter Kuckelkorn auf den Grund gehen soll. Dessen Nachbar hat nämlich beobachtet, dass neue Mitspieler für die Teilnahme an Kuckelkorns regelmäßigen Spieleabenden eine merkwürdige Aufnahmeprozedur durchlaufen müssen; und dann wäre da noch dieser mysteriöse Typ, der im Hause Kuckelkorn öfter ein und aus zu gehen scheint. Also nehmen wir Kuckelkorns Aufnahmeprozedur – die Escape Room Challenge – auf uns und halten gleichzeitig in dessen Wohnung nach Hinweisen Ausschau, die eventuell einen Zusammenhang mit unserem aktuellen Fall haben könnten: einer Einbruchsserie, bei der Sammlerstücke, unter anderem auch der wertvolle Preis für das beste Familienspiel, entwendet wurden.

Man hat die Informationen noch gar nicht richtig verarbeitet, da steht man schon mitten im Escape Room – die Tür fällt ins Schloss und los geht’s. Im ersten Moment sind wir noch etwas ratlos, man muss sich erst in die Situation hineinfinden. Der Spielleiter, in unserem Fall Michael Kröhnert, beobachtet und hört uns als Spieler per Video und kann so eingreifen, wenn etwas total falsch gemacht wird oder die Gruppe nicht vorwärtskommt. Auch können wir Fragen stellen – eine Möglichkeit, die vor lauter Aufregung aber kaum von uns genutzt wird. Der Aixscape-Raum ist nicht linear aufgebaut, sprich, ein Rätsel führt nicht zum nächsten und man knackt nicht einfach nur stupide Schloss um Schloss. Ab vier Personen seien solche Räume, bei denen man immer zusammen eine Aufgabe nach der anderen abarbeite, weniger spannend, meint Michael Kröhnert. Bei seinem Raum muss man vielmehr das Gleichgewicht finden im Team, um parallel bzw. arbeitsteilig zu arbeiten – sonst schafft man es innerhalb des Zeitlimits niemals. Ohne zu viel zu verraten, soll festgehalten werden, dass die Rätsel abwechslungsreich und kreativ sind und die eine oder andere Überraschung vorkommt.
Mehrmals muss Michael Kröhnert uns einen kleinen Schubs in die richtige Richtung geben und am Ende – mit ein paar Minuten Extrazeit – schaffen wir es, aus dem Raum zu entkommen. „Die Spieler zu beobachten, ist Fluch und Segen zugleich. Man leidet mit, wenn sie feststecken oder sich in einer falschen Theorie verheddern, und freut sich, wenn der Aha-Moment eintritt – besonders dann, wenn man eigentlich im nächsten Augenblick einen Tipp geben wollte“, berichtet Kröhnert. Am Ende geht er den Raum nochmal mit uns durch und wir staunen nicht schlecht, wo wir überall auf dem Schlauch gestanden haben und was es noch alles zu entdecken gegeben hätte. Tröstlich ist zumindest, dass bisher noch keine der 24 Testgruppen alle Details des Raums aufgedeckt hat – auch wenn der Code in der vorgegebenen Zeit eingegeben wurde.

„Keine Rätsel von der Stange“ – was Aixscape so besonders macht

2015 haben Michael und Jutta Kröhnert zu Halloween im Theater 99 einen improvisierten Escape Room als besonderen Bühnenspaß aufgebaut. Dieser ist auf positive Resonanz gestoßen, alle Termine waren komplett ausgebucht. Von Februar dieses Jahres bis September wurde an den Räumlichkeiten von Aixscape gearbeitet. Die Rätsel für den Raum im Aixscape hat sich Michael Kröhnert seit 2015 überlegt, dann folgten die Planung und die Anpassung an die Gegebenheiten der Räumlichkeiten in relativ kurzer Zeit. Am Anfang dachte er sich oft, vieles wäre zu einfach gestaltet: „In den Testspielen gab es dann aber immer wieder Momente, wo es gestockt hat. Also habe ich nach jeder Spielgruppe etwas geändert oder angepasst.“
Der einzige Haken an den Escape Rooms: Sie lassen sich in der Regel nur einmal spielen. Feste wiederkehrende Kundschaft gibt es also nicht, daher könne man einen Raum auch nur eine begrenzte Zeit in gleicher Weise betreiben. Michael und Jutta Kröhnert haben als leidenschaftliche Spieler schon bundesweit viele Räume ausprobiert und sind echte Escape-Profis. „Vor ein paar Jahren musste man noch nach Escape Rooms suchen, jetzt gibt es immer mehr davon“, erzählen sie. Die beiden haben ihre Erfahrungen in die Gestaltung des Raums einfließen lassen. Standardthemen seien Sherlock-Holmes-Motive, Zombie-Apokalypsen oder irgendwelche Irre, die eine Bombe gelegt haben, die man durch Herausfinden eines Codes entschärfen muss. Gruseln muss man sich im Aixscape aber nicht, sodass der Raum auch gut für Familien mit Kindern geeignet ist. Das Thema Brettspiele für ihren Raum zu nutzen, lag nahe, da Michael Kröhnert selber Brettspielübersetzer ist: „Das hat die Ausstattung etwas vereinfacht“, erzählt er.

Wichtig ist vor allem, dass man die Rätsel und Aufgaben leicht zugänglich gestaltet. „Man darf kein Spezialwissen voraussetzen, man muss nur lesen können und die Grundrechenarten beherrschen“, so Michael Kröhnert. Sprachspezifische Worträtsel und Wortspiele funktionieren auch nicht, da der Raum zweisprachig gestaltet ist. Insgesamt ist es ihm auch wichtig, dass die Rätselarten unterschiedlich sind. Nicht zu viel reines Suchen, nicht zu viele mathematische Aufgaben und nicht dauernd nur Logikrätsel – die Mischung macht es. Und alles muss natürlich nachvollziehbar sein: „Wir haben uns auch schon bei anderen Escape-Anbietern beschwert, wenn wir etwas im Nachhinein unlogisch fanden“, berichtet Michael Kröhnert.

Teamarbeit und Kommunikation sind von zentraler Bedeutung

Dass unsere Gruppe nicht zu den Koryphäen der Escape-Mannschaften gehört hat, erklärt sich Michael Kröhnert dadurch, dass wir eine recht inhomogene Gruppe waren und uns vorher nicht kannten. Demnach lief die Aufgabenverteilung, Absprache und Kommunikation manchmal weniger optimal. Trotzdem kann gerade so eine Erfahrung viel über die Dynamik und Kommunikation innerhalb einer Gruppe lehren. Wer nimmt welche Rolle in der Gruppe ein? Wer ergreift die Initiative und verteilt Aufgaben an andere? Wer ist vielleicht zu dominant, wer zu zurückhaltend? Wer übernimmt eher sprachliche Rätsel, wer die mathematischen und wer die Logikaufgaben? „Man findet viel über sich selbst heraus“, versichert Jutta Kröhnert, die selber im Bereich der kulturellen Bildung tätig ist. Im Personalwesen kann also ein Escape Room auch als Teambildungsmaßnahme oder als Workshop eingesetzt werden. Da alles per Video zugänglich ist, könnte man im Nachhinein Aufzeichnungen analysieren und so das Verhalten reflektieren. Firmen könnten sich so potentiell auch Bewerber anschauen, denn man kann Menschen nach ihrem Verhalten in einer so außergewöhnlichen Situation ganz gut einschätzen.

Freiwilliger Freiheitsentzug?

Als Escape-Room-Neuling kommt man nicht daran vorbei, sich vorher skeptisch zu fragen, warum es so viel Spaß machen soll, sich freiwillig in einem Raum einschließen zu lassen. Um die Faszination daran zu verstehen, muss man es selber testen. Danach ist man garantiert infiziert. Kein Wunder, dass in vielen Städten Escape Rooms wie Pilze aus dem Boden schießen. Der Ehrgeiz, die Rätsel zu lösen, packt einen und die Drucksituation durch die laufende Zeit und die geschlossene Tür verursachen Nervenkitzel. Man weiß zwar, dass man sich in einer Spielsituation befindet und man den Raum mit Hilfe eines Notschlüssels jederzeit verlassen könnte – falls nötig. Der Spielleiter beobachtet das Geschehen außerdem und kann die Tür jederzeit öffnen. Dennoch: Auch wenn man rational gesehen aus dem Raum entfliehen könnte, gibt es kein Entrinnen vor dem Reiz, die Rätsel und Aufgaben im Escape Room unbedingt lösen zu wollen.

www.aixscape.de

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