Armin Burke (Dumont) und Lars Templin (Musikbunker) haben Grund zur Freude – gerade sind ihre Spielstätten ausgezeichnet worden. Wofür und was sie mit dem Preisgeld machen, haben sie uns verraten.

Der Name ist vielleicht etwas bemüht, das Konzept dahinter ist dagegen äußerst lobenswert. Es geht um den APPLAUS, die „Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten“, die seit 2013 von der Initiative Musik verliehen wird und mit Mitteln aus dem Haushalt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird. Konkret wird das Live- und Konzertengagement kleiner und mittelgroßer Clubs und Konzertlocations im Bereich Rock, Pop und Jazz gestärkt und gefördert. In den letzten vier Jahren sind so rund 5,4 Millionen Euro an Preisgeldern ausgeschüttet worden.
Am 25. Oktober wurden im Alten Schlachthof in Dresden die Preise 2017 verliehen – in drei Kategorien, gestaffelt nach Anzahl der Konzerte pro Jahr. In Kategorie 3 (mindestens zehn Liveveranstaltungen im Jahr) gehörte Armin Burke vom Dumont wie schon 2014 und 2015 zu den Preisträgern. Dieses Jahr erhalten insgesamt 31 Spielstätten jeweils 7.500 Euro. In Kategorie 1 (mindestens 104 Veranstaltungen im Jahr) konnte Lars Templin vom Musikbunker Aachen, der sich dieses Jahr zum ersten Mal beworben hat, neben 21 anderen ein Preisgeld in Höhe von 40.000 Euro in Empfang nehmen.

Was kann man als kleine oder mittelgroße Location mit diesen Beträgen im Sinne der Livekultur anstellen? Armin Burke veranstaltet seit vielen Jahren im Herbst und Winter ein anspruchsvolles Programm mit zeitgenössischem Jazz und hatte dabei schon klangvolle Namen wie Benedikt Jahnel, Pablo Held, Jonas Burgwinkel, Etienne M’Bappé oder Adam Nussbaum zu Gast auf der kleinen Bühne. 2016 gab es 27 Konzerte mit rund 100 Musikern, und laut Burke hilft der Preis natürlich, bessere Gagen zahlen zu können oder Bands aus einer anderen preislichen Liga zu verpflichten. Und damit auch eine höhere wirtschaftliche und künstlerische Risikobereitschaft zu zeigen. Und selbstverständlich profitiere auch die technische Ausstattung an dem ein oder anderen Punkt. Für ihn muss Musik live gespielt werden, damit sie wachsen kann. Jede Band, abgesehen vielleicht von YouTube-Retorten, habe auf kleinen Bühnen angefangen. Gerade der Jazz als Königsdisziplin der sogenannten U-Musik (wo Burke sie eigentlich gar nicht verortet) fristet vielerorts ein Nischendasein, und Künstler von hervorragender Qualität schlagen sich oft auf finanziell eher bescheidenem Niveau herum.
Etwas anders stellt sich die Situation im Musikbunker dar, der nicht nur stilistisch breiter aufgestellt ist als das Dumont – von Rock, Alternative, Punk und Metal über Reggae, Hip Hop und Grime bis zu Elektronischem –, sondern auch eine deutlich größere Location ist. 100 bis 120 Konzerttermine gibt es hier pro Jahr und teilweise mehrere Bands pro Abend. Aber auch hier formiert das alles eher unter dem Label „Underground“, auch wenn hier und da Acts auftreten, die auch größere Hallen füllen. Und während Armin Burke Veranstalter, Booker, Gastgeber und Organisator in einem ist (und auch noch Flightcases mitschleppt und vorne an der Tür die Kasse macht), kann Lars Templin zumindest auf ein Team von rund 30 Mitarbeitern zurückgreifen. Der Preis kann hier helfen, die Rahmenbedingungen für die auftretenden Musiker insgesamt noch etwas besser zu gestalten. Während die PA/Audio-Ausstattung schon auf recht hohem Niveau ist, gibt es noch Luft nach oben für den ein oder anderen Bassverstärker oder beim Licht. Vor allem aber könne man in der Programmauswahl noch mutiger werden. Gerade Locations der Größenordnung, in der sich der Bunker bei einer Gesamtkapazität von 400 Zuschauern befindet, sind wirtschaftlich schwierig zu bespielen. Beim Musikbunker sind daher die Clubkultur-Abende durchaus ein wichtiges finanzielles Korrektiv. Templin verweist auf die öffentliche Förderung in den Niederlanden und Belgien im Musikbereich, die sich fundamental von der hierzulande unterscheidet. Ob sich das bei uns irgendwann ändert?
Auch wenn der Spielstättenpreis in monetärer Hinsicht wichtig ist, etwas anderes ist dabei mindestens ebenso von Bedeutung: dass nämlich der Enthusiasmus und die Nachhaltigkeit, mit der beide Läden – und viele andere, die bundesweit ausgezeichnet wurden – arbeiten, durch so einen Preis honoriert werden und dass er die öffentliche Wahrnehmung dafür schärft, wie eminent wichtig eine lebendige, anspruchsvolle und vielfältige Live-Musikkultur gerade in kleinen Läden ist. Dafür kann man dann schon mal applaudieren – dem Dumont, dem Musikbunker und dem APPLAUS.

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