Waldsterben, überall Waldsterben, wie kann man da noch behaupten, dass alles gut wird? Dominik Breuer und Gunnar Seidel vom Brachland-Ensemble stellen keine wirren Gutmensch-Behauptungen in den Raum, keine christlichen Hoffnungsschimmer in Aussicht, nein, sie suchten und fanden: das Gute, das in den vorabendlichen Bilderfluten der Gewalt keinen Platz findet. In ihrer Arbeit über „mediale Schwarzmalerei und angewandten Optimismus“ sagen sie unserer dystopischen Weltsicht den Kampf an, sie bringen uns an fremde Orte und zu Menschen, deren Engagement und Zivilcourage mit Recht nur eine Schlussfolgerung zulässt: Alles wird gut!
Eine mit Fotos, Notizen und Tagebüchern überbordende Pinnwand, eine Art Landkarte der Menschlichkeit, dominiert die Bühne. Zeugnisse der eineinhalbjährigen Recherche nach der Lichtseite des Lebens. Katja Zinsmeister, Simon Rußig, Anika Pinter und Puppenspielerin Sophie Bartels lesen vor, erzählen von eigenen Erlebnissen, schlüpfen in die fremden Menschen hinein, deren Handeln uns ein Stück weit Richtung Gutes führt. Der Fünfte im Bunde, Ali Can, der mit seiner „Hotline für besorgte Bürger“ grenzüberschreitende Aufmerksamkeit einheimste, sorgt mit Live-Schaltungen aus der Aachener Innenstadt für den multimedialen Rahmen.

Neue Avantgarde wäre eine durchaus passende Bezeichnung für das Brachland-Ensemble. Poetisch, schrill, humorvoll, radikal unradikal – mit ihrem verspielt-rasanten dokumentarischen Stil verwandeln sie die Bühne in ein Kabinett des Staunens, in ein wundersames Zoetrop, das von Empathie angetrieben wird und dessen Bilder von ansteckender Neugierde und Offenheit zeugen.
Prädikat: wertvoll!
Wem die Inszenierung etwas zu rasant ist, der kann die Projekte unter www.alternation.info in aller Ruhe nachlesen.

Revolution: Alles wird gut!
Eine Koproduktion des Theater Aachen, des Brachland-Ensembles und der Tafelhalle Nürnberg
Inszenierung: Dominik Breuer, Gunnar Seidel, Bühne und Kostüme: Franziska Isensee

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