Die kanadische Reise


F/CAN 2016 | Regie: Philippe Lioret, Darsteller: Pierre Deladonchamps, Gabriel Arcand, Patrick Hivon, Pierre-Yves Cardinal, Catherine de Léan, 98 Min., Start: 14.12.
Mathieu, 33, lebt mit Frau und Kind in Paris, als ihn die Nachricht vom Tod seines zeitlebens unbekannten Vaters erreicht. Um seine Halbbrüder und die übrige Familie kennenzulernen, fliegt Mathieu nach Montreal, wo ihn Pierre empfängt. Der beste Freund des toten Vaters will das Familiengeheimnis nicht lüften und stellt Mathieu als Freund aus Paris vor. Mit Pierre und seinen Halbbrüdern sucht Mathieu in einem See nach der Leiche des beim Angeln gestorbenen Vaters und findet Trost bei Pierres Frau und Tochter. Regisseur Philippe Lioret („Welcome“) inszenierte zurückhaltend, mit ruhiger Klaviermusik und aufgeräumten Bildern. Fast alle Informationen werden dialogisch vermittelt, in einem stetigen Hin und Her aus vielen, vielen Fragen und Antworten, die peu à peu Licht ins Dunkel bringen. In der ersten Hälfte plätschert das Drama recht unspektakulär dahin. Mit zunehmender Laufzeit entsteht jedoch fast unmerklich eine unterschwellige Spannung, wenn immer klarer wird, dass Mathieu nicht die volle Wahrheit kennt. Die Auflösung erfolgt im meisterlichen Schlussakt, als die Figuren nichts mehr zu sagen haben und die Kommunikation plötzlich nonverbal stattfindet. Vom starken Ende her gesehen ist „Die kanadische Reise“ ein grandioser Film; allein der Weg dorthin kommt nicht ohne Längen aus.

zurück Leaning into the Wind – Andy Goldsworthy
weiter Meine schöne innere Sonne