Ronja von Rönne kokettiert gerne mit ihren Unzulänglichkeiten wie Schreibblockaden und Befürchtungen, vor leeren Lesungen zu sitzen. Das erinnert mich an Bukowski. Mit einem Unterschied: Seine Lesungen waren wirklich prall gefüllt, was man von der Couvenhalle nicht behaupten kann.

An diesem Abend gibt sich von Rönne gut gelaunt, offen und natürlich, auf ein weißes Krägelchen und Schminke hat sie verzichtet. Die ganz schweren Themen hat sie auch zu Hause gelassen. Neben den leichten Texten wie „10 Tipps, um einen One-Night-Stand loszuwerden“, die man aus ihren Kolumnen für die WELT und aus ihrem Blog Sudelheft kennt und die in ihrem Buch „Heute ist leider schlecht“ erschienen sind, plaudert sie über ihre Kindheit im konservativen Bayern und ihre Schul- und Studienzeit. Scharfsinnig und intelligent wie gewohnt sind ihre Ausführungen, schlagfertig interagiert sie mit dem Publikum. Mit diesem ist sie auf Du und bezieht es immer wieder mit ein, ja, fragt es regelrecht aus. Wie im Zirkus bekommt man auf den vorderen Rängen schon Angst, auch gleich an der Reihe zu sein.
Als zum zweiten Mal ein Handy klingelt, unterbricht sie die Lesung: „Soll ich rangehn?“ Sie lässt nicht locker, bis sie schließlich den Inhaber des Smartphones ermittelt hat. Es folgt ein kleiner Vortrag darüber, dass der Student doch mehr Zeit mit seinem Vater verbringen möge – erst nach ein paar Minuten fährt sie mit ihrem Text fort.
Obwohl heute bei bester Laune, vergisst von Rönne nicht, in Nebensätzen mehrfach ihre Depressionen, Ängste, Komplexe, die Drogen, das Rauchen oder den Alkoholkonsum zu erwähnen. Wo wir wieder bei Bukowski wären: Hat sie sich wohl von ihm inspirieren lassen oder hat jede Zeit ihre jungen Bukowskis?

Das Publikum bedankt sich mit fröhlichem Lachen. Indes, es hätte wirklich voller sein können. Hier rächt sich vielleicht die technische Ausrichtung der Studentenstadt, die ihre Geisteswissenschaften sträflich vernachlässigt hat.

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