Katortz haben inzwischen genügend Produktionen unter dem Gürtel, um ein Resultat abzuliefern, das spielend internationalen Standards genügt. Technisch ist auch das neue Album ausgewachsen, und die Band spielt die Indie/Alternative-Klaviatur rauf und runter, dass es eine wahre Freude ist. Wie gewohnt, möchte man sagen. Allerdings gibt man sich nicht mit den erworbenen Meriten zufrieden, sondern befragt mit „Zauberkabine“ die eigenen Bezüge, und das mit einem erstaunlichen Resultat. Waren Katortz bisher eher für griffige, treibende Riffs bekannt, entfernt sich die Band auf dem neuen Album bewusst von der Riffologie früherer Werke und strebt, in ihren eigenen Worten, einen „psychedelischen Tiefgang“ an. Dazu passt das sich latent durch das Album ziehende Thema Zeit, eines der beliebtesten Motive der psychedelischen Ära, das Sänger und Gitarrist Toshi Trebess in seinen Texten einer kontemporären Betrachtung unterzieht.
Wie die letzte Bemerkung bereits andeutet, ist „Zauberkabine“ keineswegs der Versuch, einen Stil um des Stils willen zu kopieren und sich in einer Retro-Attitüde zu ergehen. Es geht eher um Parallelen in der Befindlichkeit, denke ich, und um einen Hang zur Innerlichkeit. Die Bemühungen kulminieren diesbezüglich für mein Empfinden in dem Song „Gernegroß“. Das wäre dann mein Anspieltipp, wenn das Produkt im Januar in den Regalen steht. Allgemein tragen, neben archetypischen Effekten, vor allem der Satzgesang und stellenweise eingesetzte, lautmalerische Respondphrasen dazu bei, dass die Arrangements zu schweben beginnen. Mitunter werden die fein geflochtenen Muster dann aber auch wieder brachial unterbrochen. Da sind wir dann wieder ganz Katortz.
Für mein Gefühl schlagen Toshi Trebess, Karsten Nordhausen und Stefan Schwartz mit „Zauberkabine“ momentan genau die richtige Richtung ein und zeigen sich trotz aller Routiniertheit entwicklungsfähig. Das halte ich erstens für eine Seltenheit und zweitens für ein sicheres Indiz dafür, dass „Zauberkabine“ ein Stepping Stone in der Karriere des Trios ist.

Record-Release-Show am 19.01.2018 ab 20:00 Uhr im Wild Rover
Weitere Shows im Januar und Februar u. a. in Lammersdorf (Joeʼs Garage), in der Rockbühne Niederrhein (Uedem), im Hamtorkrug (Neuss) und im Jazzkeller (Krefeld)

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